Liebe auf den ersten Blick – romantisch oder oberflächlich?

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Sie wird als der ideale Fall angesehen und in Literatur und Film ist sie allgegenwärtig: Die Liebe auf den ersten Blick.

Ist die Liebe auf den ersten Blick wirklich so romantisch, wie man sie immer präsentiert bekommt? Oder ist sie vielleicht eher oberflächlich und hat mit wahrer Liebe nicht viel zu tun? Ich habe mir über das Thema mal meine Gedanken gemacht.

Liebe auf den ersten Blick – manche glauben gar nicht an sie, andere sagen, dass sie sehr wohl exisitert. Ich bin der Meinung, dass es sie gibt. Ich möchte sogar noch weiter gehen und sagen, dass ich sie selbst schon erlebt habe. Und ich glaube, das haben die meisten Menschen. Aber ich finde sie längst nicht so romantisch und tiefgründig wie die Liebe auf den zweiten Blick. Warum ist das so?

Liebe auf den ersten Blick beschränkt sich auf die äußerlichen Aspekte eines Menschen. Entweder verliebt sich eine Person in das attraktive Äußere des anderen oder in dessen Status, zum Beispiel weil er berühmt oder reich ist. Aber ist diese Person dann wirklich in den Menschen hinter dem hübschen Gesicht oder dem Ruhm verliebt oder nur in das, was er nach außen hin präsentiert? Ist es wirklich die wahre Liebe, die ewig währt und allen Hindernissen stand hält? Ich sage nein. Äußerlichkeiten sind vergänglich. Und somit ist auch diese Art der Liebe vergänglich.

Ist es nicht viel schöner, wenn wir uns wirklich in den Menschen verlieben? In seine inneren Werte, Charaktereigenschaften, ja auch Macken und Mängel? Ich finde es beispielsweise gar nicht schlimm, wenn aus Freundschaft Liebe wird. Ganz im Gegenteil, ich finde es gibt nichts Schöneres, als zwei Freunde, die sich ineinenander verlieben. Diese Liebe beschränkt sich nicht auf irgendwelche Äußerlichkeiten, sondern sie geht tief. Den besten Freund kennt man meist in- und auswendig. Man hat mit ihm schöne und schwere Zeiten durchlebt, man teilt vielleicht Interessen und kennt auch die Schwächen der Person. Und trotzdem liebt man sie. Und das ist es meiner Meinung nach, was wahre Liebe ausmacht.

Ich will euch dazu aus einem Leben erzählen, auch wenn dich euch damit viel mehr verrate, als die meisten Menschen von mir wissen. Meinen Freund und mich trennen 8520 Kilometer. Wir lernten uns im Jahr 2013 auf der Internetplattform Interpals.net kennen, wo man Brieffreunde suchen und finden kann. Mein Freund schrieb mir eines Tages eine Nachricht und so entstand eine rege Freundschaft, erst via Nachrichten auf Interpals, später auch per E-Mail, Skype und Hangouts. Wir waren anfangs einfach nur gute Freunde, tauschten uns über unsere Hobbys, Interessen, aber auch Sorgen und Probleme aus.

Anfang 2014 wurde der Kontakt intensiver. Ich war damals sehr unglücklich und er war der Einzige, von dem ich mich wirklich verstanden fühlte. Er hatte immer ein offenes Ohr für mich und, da er etwas älter ist als ich, auch mehr Lebenserfahrung, aus der er schöpfen konnte. Mit der Zeit wurde unsere Beziehung immer inniger und irgendwann begannen wir, ein wenig zu flirten. Das war neu, aber ich empfand es nicht als lästig, weil ich ihm mehr vertraute als den meisten anderen Menschen.

Was soll ich sagen? Obwohl ich diesen Menschen nur über das Internet kannte, verliebte ich mich in ihn. Und ja, das geht. Man bedenke, dass z. B. Skype einem ja die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch gibt. Es war Liebe auf den zweiten Blick. Was als Freundschaft begann, wurde zu einer – wenn auch außergewöhnlichen – Beziehung, die in dieser Form nun seit über zwei Jahren besteht.

Man muss dazu sagen, dass wir beide einzelgängerische Typen sind. Daher funktioniert es, dass wir so weit von einander getrennt leben und trotzdem eine Beziehung führen. Natürlich müssen wir auf so Dinge wie gemeinsames Ausgehen oder Sex erst einmal verzichten, was nicht heißt, dass wir uns nicht über Dinge wie Sexualität unterhalten. Die Vorfreude auf unser erstes persönliches Treffen ist dafür umso größer, auch wenn das momentan noch in den Sternen steht. Und auch in einer Fernbeziehung kann man romantische Dinge gemeinsam erleben, aber das werde ich mal in einem extra Artikel erläutern 🙂

Was ich damit sagen will, ist, dass diese Beziehung viel schöner für mich ist, als die Liebeleien, die „auf den ersten Blick“ entstanden sind. Mein Freund ist gleichzeitig auch mein bester Kumpel. Wir gehen gemeinsam durch dick und dünn, haben für einander ein offenes Ohr und unterstützen und motivieren uns gegenseitig. Das ist auch noch so eine Eigenschaft, die ich ganz besonders an ihm liebe: Er unterstützt mich bei all den Dingen, die ich anpacken möchte und er ist für mich da, auch wenn ich ihn mit meinen Ängsten und Zweifeln manchmal ganz verrückt mache 😀

Daher: Ich finde Liebe auf den ersten Blick ist längst nicht so schön, wie Liebe die entsteht, nachdem man einen Menschen besser kennengelernt hat. Das ist zumindest meine Meinung und Erfahrung.

Habt ihr vielleicht eine andere Sicht auf die Dinge? Oder habt ihr selbst Erfahrungen in dem Bereich gemacht? Ich bin auf euer Feedback gespannt.

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7 Kommentare zu “Liebe auf den ersten Blick – romantisch oder oberflächlich?

  1. Hallo Emma,
    Spannend zu hören, wie deine Fernbeziehung entstanden ist. Das ist wirklich eine enorme Entfernung und ich hoffe, dass ihr euer erstes echtes Treffen nicht mit zu vielen Erwartungen überfrachtet. Aus meiner Erfahrung sind Erwartungen der Feind der Fernbeziehung.
    Zum Thema Liebe auf den ersten Blick:
    Ich glaube, es gibt sie. Von außen betrachtet wirkt sie oberflächlich, wie du schon beschrieben hast. Ich hoffe aber, dass dieses Gefühl von Liebe auf eine passende Körperchemie zurückgeht. Das geht natürlich nur, wenn sich die Personen körperlich gegenüber stehen. Ansonsten ist es tatsächlich mehr eine Projektion.
    Die Liebe auf den zweiten Blick ist auch aus meiner Sicht die ehrlichere. Aber es gibt immer auch schöne Gegenbeispiele. Eine gute Freundin hat ihr Gegenbeispiel vor zwei Jahren geheiratet 😉
    Viele Grüße
    Erin

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Erin,

      ja, da hast du recht. Ich versuche, völlig unvoreingenommen an das erste Treffen heranzugehen und nicht zu viel zu erwarten. Natürlich könnte sich dann theoretisch auch herausstellen, dass er doch nicht so ist, wie ich gedacht habe. Aber das lasse ich jetzt einfach mal auf mich zukommen. 🙂

      Oh, verstehe. Ja, wenn du es so siehst, könntest du recht haben – an die Körperchemie habe ich bisher noch nicht gedacht. Schön zu wissen, dass es auch Gegenbeispiele gibt, bei denen es geklappt hat 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

  2. Ein sehr interessanter Artikel, Emma. Und vor allen sehr gut dargestellt, was du meinst. Ich teile deine Meinung im Bezug darauf, dass die Liebe auf den „zweiten Blick“ bzw. über Zeit die Schönere ist. Aber ich glaube schon, das beides zusammen hängen kann.

    Bei mir und meinem Partner, mit dem ich seit 12 Jahren zusammen und seit 6 Jahre verheiratet bin, ist es so gewesen. Wir haben uns ebenfalls über das Internet kennengelernt, und erst einmal viel miteinander geschrieben und telefoniert. Es war eine sich toll entwickelnde Freundschaft und beim ersten Treffen 2 Monate später (ich kam aus Bad Kreuznach, er aus Gera), spürte ich schon, dass wir irgendwie „seelenverwandt“ sind und da mehr zwischen uns ist. Es war eine Art „Liebe auf den ersten Blick“, bloß das ich ihn schon vorher kannte. Doch selbst bei unseren Gesprächen hatte ich immer das Gefühl, dass wir uns schon ewig lang kennen.

    Ich wünsche dir für deine Beziehung alles Gute und finde es toll, dass ihr euch gefunden habt.

    Liebe Grüße
    Lilly

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Lilly,

      was für eine schöne Liebesgeschichte ❤ Ich wünsche euch ebenfalls alles Gute. Ich freue mich sehr, dass ihr euch gefunden habt. Das Internet kann ein wahrer Segen sein, wenn man auf der Suche nach einer Beziehung ist.

      Es freut mich, dass dir mein Artikel zugesagt hat. Ich war mir bewusst, dass ich damit ein wenig anecken könnte, doch es freut mich, dass meine Meinung gut rübergekommen ist.

      Einen guten Rutsch ins neue Jahr!
      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt mir

  3. Pingback: Liebe durch das Internet – geht das? (Teil 1) | Emma Escamilla

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