„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – 7. Kapitel

Huhu ihr Lieben,freche-madchen

heute geht es wieder mit Dany, Sam und ihren Freunden weiter. Ich habe in letzter Zeit von mehreren Leuten gehört, dass sie meinen Blogroman echt gerne lesen und das freut mich sehr. Für mich war das Ganze ja eher eine Art Experiment. Ich wollte eine Fortsetzungsgeschichte schreiben, ganz ohne große Planung und Plot, einfach um regelmäßig zu Schreiben und meinen Bloglesern eine kleine Kostprobe von meinem Schreibstil zu ermöglichen. Das Ganze ist von Topqualität natürlich weit entfernt, aber trotzdem hat die Geschichte treue Leser gefunden, sowohl hier auf dem Blog, als auch auf den anderen Netzwerken, wo ich die Geschichte hochgeladen habe. Das macht mich sehr glücklich. Es geht sogar soweit, dass ich überlege, anstatt alle zwei Wochen zukünftig jede Woche eine Folge zu veröffentlichen. Aber da bin ich gerade noch am Überlegen.

Im Laufe des Tages wird das 7. Kapitel auch bei SweekWattpad und  FanFiktion.de hochgeladen werden. Zur Übersicht über alle Folgen kommt ihr hier.

Jetzt aber viel Spaß mit dem 7. Kapitel!

7. Eiszeit zwischen Freunden

Ich schaue auf den Absender – natürlich war es Sven. Das hatte er wohl damit gemeint, als er mir hinterbrüllte, dass ich die Aktion bereuen würde. Ich wische mir den Schweiß aus dem Gesicht. Mein Handy gleitet mir aus den Händen und plumpst auf den Fußboden. „Ich …“, stammle ich und ringe nach Worten. „Ich schwöre dir, ich habe nicht …“

„Da steht doch, dass du ihn geküsst hast. Wie konntest du mir das nur antun?“, brüllt Lis und wird ganz rot im Gesicht.

„Ich habe nicht, ich meine, ich …“

„Was Dany meint, ist, dass Sven sie einfach ohne ihr zutun geküsst hat. Sie hat sich sogar dagegen gewehrt, stimmt’s?“, mischt sich Sam ein.

Ich nicke. „Ja, genau so war es!“, pflichte ich ihr bei.

Lis sagt nichts, sondern vergräbt schluchzend das Gesicht in ihren Händen.

„Es tut mir so leid“, sage ich und berühre mit den Fingern vorsichtig ihre Schulter.

Blitzschnell schlägt Lis meine Hand weg. „Fass mich nicht an, du Flittchen!“, brüllt sie und in ihren Augen lodert der blanke Hass. In diesem Moment realisiere ich, dass die Freundschaft zwischen mir und Lis für immer zerstört wurde. Zerstört von einem Kuss, den ich nicht einmal wollte. Das machte mich ebenfalls wütend. Wie konnte Sven nur so ein Idiot sein?

„Wie kann ich das nur wieder gutmachen?“, frage ich und schaue zu Lis.

„Indem du verschwindest“, brüllt diese. „Verpiss dich aus unserem Zimmer.“

„Ist das dein Ernst?“

„Ich habe gesagt, du sollst dich verpissen!“ Lis spuckt nach mir und ich springe erschrocken über so viel Wut auf.

„Ist schon gut, ich gehe.“ Ich mache mich auf den Weg zur Tür.

„Und nimm deinen Scheiß mit!“, schreit mir Lis nach. Als ich gerade die Klinke anfasse, bekomme ich etwas Hartes an den Kopf. Es ist mein Handy, das zu Boden fällt und in seine Einzelteile zerbricht. Ich zögere einen Moment, überlege, es aufzusammeln und mitzunehmen, doch dann lasse ich es liegen und verlasse den Raum.

Ich verschanze mich in der Bibliothek, die glücklicherweise auch so spät abends noch geöffnet hat. Die Beine angezogen, kauere ich auf dem Sofa zwischen den Romanen und lehne meinen Kopf gegen das harte Regal. Tränen rinnen mir über das Gesicht und ich lasse sie einfach laufen. Weinen tut gut, es befreit und hilft, mit dem Gefühlschaos in mir ein wenig besser umzugehen. Ich kann nicht fassen, dass sich Sven so widerwärtig benommen hat. Dieser Mistkerl! Er hatte das zarte Pflänzchen der Freundschaft niedergetrampelt, dass gerade zwischen mir und Lis entstanden war. Es hatte so gut begonnen auf St. Lucia und jetzt befinde ich mich in einem absoluten Albtraum.

„Ach, hier bist du!“

Ich wische die Tränen weg und schaue auf.

Sam steht vor mir und lächelt mich zaghaft an. „Ich habe dich gesucht.“

„Jetzt hast du mich ja gefunden.“ Meine Stimme versagt mir und die Tränen bahnen sich wieder ihren Weg über mein Gesicht.

„Lis schläft jetzt. Wenn du willst, kannst du wieder zurück ins Zimmer kommen.“ Sam sieht mich mitleidig an.

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“

„Willst du etwa hier übernachten?“ Sie nimmt neben mir auf dem Sofa Platz.

„Hier ist wenigstens niemand sauer auf mich.“

„Ach komm, Lis kriegt sich schon wieder ein“, sagt Sam und ihre Hand berührt mein Gesicht. Erschrocken zucke ich zusammen. Sie ignoriert meine Reaktion und streicht mir ganz sanft über die Wange.

„Ich habe das alles nicht gewollt“, beteuere ich.

„Vor mir brauchst du dich nicht zu rechtfertigen, ich weiß das.“ Sam lächelt wieder, doch ich erwidere es nicht. Stattdessen wische ich mir mit zitternden Fingern die Tränen aus den Augen. „Lis kann manchmal etwas impulsiv sein“, fährt Sam fort. „Du darfst ihr das nicht übel nehmen, das ist einfach ihre Natur.“

Ich nicke. Soll mich das jetzt etwa beruhigen? Auf mich hat es eher eine warnende Wirkung. So nach dem Motto: Achtung, Lis ist hochexpolsiv. Beim kleinsten Funken kann sie durchdrehen.

„Komm!“ Sam steht auf und hält mir die Hand hin. „Wir gehen ins Zimmer und schlafen über die ganze Sache. Morgen hat sich Lis bestimmt wieder beruhigt.“

Zaghaft ergreife ich ihre Hand und sie zieht mich hoch. „Danke“, flüstere ich.

„Nicht hierfür“, erwidert Sam.

Am nächsten Morgen spricht Lis noch immer kein Wort mit mir. Sie ignoriert mich eiskalt. Das tut mir zwar ziemlich weh, aber es ist mir immer noch lieber, als hochkant rausgeschmissen zu werden. Ich mache mich für die Schule fertig und gehe dann mit Sam zum Frühstück in die Mensa. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Mädchen, das Flyer verteilt.

„Hier, eine Einladung für die Sommerparty“, sagt sie und drückt Sam und mir jeweils ein Faltblatt in die Hand. „Das Motto ist Flower Power. Ihr kommt doch, oder?“

„Vermutlich ja“, sagt Sam und lächelt das Mädchen an.

Ich schweige. Wenn mir nach etwas überhaupt nicht zumute ist, dann nach feiern. Aber ich möchte keine Spielverderberin sein, darum nicke ich dem Mädchen kurz zu und versuche ein Lächeln, das kläglich scheitert. Während des Frühstücks studiere ich die Einladung genauer. Sie listet das gesamte Programm auf, das uns auf der Party erwartet. Inklusive Karaokewettbewerb und Discoabend.
„Das wird sicher lustig“, bemerkt Sam. „Die Sommerparty ist hier eigentlich jedes Jahr ein absolutes Highlight.“

„Ich weiß nicht. Ich bin eigentlich nicht so die Partygängerin.“ Ich beiße von meinem Nutellabrötchen ab.

„Die Sommerparty ist ein MUSS“, ruft Sam. „Jeder geht da hin, auch du. Dafür sorge ich.“ Sie zwinkert mir zu und ich seufze.
„Na, schön. Ich kann es mir ja mal ansehen“, bemerke ich. „Wann findet die Party überhaupt statt?“ Ich wende den Flyer und entdecke das Datum. „Das ist ja schon am Freitag!“

„Ja, ist das nicht toll?“, jubelt Sam.

Ich seufze erneut. Wahnsinnig toll …

Wenig später finden wir uns im Klassenzimmer ein und ich lasse mich neben Uli nieder. Er mieft heute ganz besonders nach Schweiß, als hätte er vor dem Unterricht noch eine Joggingtour unternommen. Ich rümpfe die Nase und vertiefe mich in den „Fänger im Roggen“, den wir ja in Englisch zur Zeit lesen. Ich habe das Buch schon fast durch und war meiner Klasse damit ziemlich voraus. Ich muss zugeben, dass es mir ziemlich gut gefällt, obwohl ich eigentlich eher selten Klassiker lese. Ich sehe zu Lis hinüber. Sie sitzt mit starrem Blick auf ihrem Stuhl, den Kiefer angespannt. Ihre Hände zitterten leicht, als sie auf einem leeren Blatt Papier herumkritzelt. Sie ist immer noch sauer, das sieht man ihr an. Wie kann ihr ihr nur begreiflich machen, dass es mir ernsthaft leid tut? Ich will mit ihr unbedingt Frieden schließen, doch mir will nichts einfallen, wie ich dies tun könnte.

„Guten Morgen zusammen!“

Das Eintreffen von Frau Pätzold reißt mich aus den Gedanken und ich widme mich wieder Holden Caulfield und seiner Geschichte. Der Unterricht zieht sich in die Länge. Wir müssen Fragen zum Buch beantworten. Eine Aufgabe, die ich mit Leichtigkeit erledige.

In der Pause kommt ein blondes Mädchen zu mir. Sie hat gestern auf der Suche nach Lis mitgeholfen und ich glaube, dass sie Katharina heißt.

„Sag mal, stimmt das wirklich?“, fragt sie und grinst mich breit an.

„Was meinst du?“

„Hast du wirklich mit Sven rumgemacht?“

Ich balle die Hände zu Fäusten. Die Schamesröte steigt mir ins Gesicht. „Ich habe nicht mit ihm rumgemacht!“

„Aber du hast ihn geküsst, richtig?“

„Was willst du damit bezwecken?“

„Ich will wissen, ob du wirklich so mies bist. Das hätte ich dir gar nicht zugetraut.“

„Ich bin nicht mies.“ Ich schreie lauter, als ich das beabsichtigt habe. „Er hat mich einfach ohne meien Einwillgung geküsst. Ich habe ihm gegen das Schienbein getreten, damit er aufhört.“

Das Mädchen lacht laut auf. „Ach wirklich?“ Sie schaut zu Sven hinüber. Dieser ist in ein Gespräch mit seinem Nebensitzer vertieft.

„Ja, wirklich. Ich würde Lis niemals so etwas antun.“

„Hoffen wir, dass du die Wahrheit sagst.“

Glücklicherweise kommt in diesem Moment unser Mathelehrer in den Raum, sodass das Mädchen gezwungen ist, sich auf ihren Platz zu verdrücken. Ich rauche innerlich vor Wut. Was bildet die sich denn ein? Wie kann sie diesem Schuft Sven nur mehr glauben als mir?

Erst als Uli seine Hand auf meinen Arm legt, bemerke ich, dass ich so angespannt bin, dass ich am ganzen Körper zittere.

„Ignoriere das dumme Geschwätz einfach“, raunt mir Uli zu und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich froh, dass er neben mir sitzt.

Den Nachmittag verbringe ich mit Sam bei einer Joggingrunde im Wald. Wir unterhalten uns über die Geschehnisse des Vortags. Ich bin dankbar, wenigstens sie auf meiner Seite zu haben. Es hätte mir auch wirklich sehr zu schaffen gemacht, wenn Sam sich wegen dieser blöden Sache ebenfalls von mir abgewendet hätte. Es reicht schon, dass Lis mich keines Blickes mehr würdigt und auch May sich auf einmal komisch benimmt. Dabei hatten wir gestern zusammen noch nach Lis gesucht. Ich wusste nicht, ob May auf meiner oder auf Lis‘ Seite war. Aber da sie Lis besser kennt und die beiden schon lange beste Freundinnen sind, habe ich natürlich relativ schlechte Karten. Nach dem Joggen setzen Sam und ich uns in die Cafeteria, trinken einen Kaffee und verspeisen jeweils einen Blaubeermuffin, die die Schule für teures Geld verkauft. Ich hatte ja erst gezögert, doch Sam hatte mich dazu überredet, mir in dieser schwierigen Situation mal etwas zu gönnen.

„Ich habe gar keine Lust auf diese Schulfete“, sage ich und nippe an meiner Kaffeetasse.

„Ach, das wird toll, du wirst sehen. Bestimmt kommst du da auf andere Gedanken.“

„Müssen wir uns da dann auch so alberne Flower-Power-Kostüme anziehen?“

Sam lacht. „Nein, auch wenn ein paar das sicherlich machen werden. Ich werde mir das garantiert auch nicht geben.“

„Na, Gott sei Dank“, bemerke ich und bekomme ein zaghaftes Lächeln zustande.

„Aber beim Karaokewettbewerb machen wir mit!“ Sam grinst und zwinkert mir zu.

In meinem Bauch kribbelt es wohlig und mir wird ganz warm.

„Ich weiß nicht, ich bin eignetlich keine sehr begnadete Sängerin.“

„Ich bin ziemlich gut“, sagt Sam. „Ohne jetzt angeben zu wollen. Ich habe früher auch mal in einer Band gesungen.“

„Ach wirklich?“

„Ja, wir nannten uns die Wild Tigers und haben hauptsächlich Coverversionen gespielt, aber auch ein paar eigene Sachen.“

„Das ist ja interessant. Ich mache auch gerne Musik. Ich habe als Kind Klavierstunden genommen.“

„Wow, wie toll!“, ruft Sam. „Ich würde so gerne Klavierspielen können. Ich beneide dich wirklich.“

„Ja, ehrlich gesagt vermisse ich es ziemlich, seit ich hier bin.“

„Aber im Musiksaal gibt es doch ein Klavier. Vielleicht können wir ja mal fragen, ob du darauf außerhalb der Unterrichtszeiten spielen darfst.“

„Meinst du wirklich?“

„Ja, warum nicht?“ Sam trinkt ihren Kaffee aus. „Nicht so schüchtern, meine Liebe.“ Sie legt ihre Hand auf meine: Ihre Berührung kribbelt auf meiner Haut. Mein Puls beschleunigt sich und meine Hände werden feucht. Sam bemerkt meine Nervosität nicht, sie sitzt nur da und beobachtet mich. Ich fühle mich unwohl unter ihrem Blick, doch auf der anderen Seite spüre ich eine ungewohnte Anziehung, die Sam auf mich ausübt. Wie ein Eisenspan zu einem Magneten.

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3 Kommentare zu “„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – 7. Kapitel

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