„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – Kapitel 9

Hallo ihr Lieben,freche-madchen

ich hoffe, ihr habt die Osterfeiertage gut verbracht und seid reich beschenkt worden. 🙂 In der letzten Woche habe ich über meinen Blogroman ja ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Es wird Zeit, dass es damit weitergeht. Im letzten Kapitel hatten Dany und Sam sich zum ersten mal geküsst. Natürlich bringt das Danys Gefühle erst recht in Wallung – aber was denkt Sam darüber? Das erfahrt ihr im heutigen Kapitel.

Im Laufe des Tages wird das 9. Kapitel auch bei SweekWattpad und  FanFiktion.de hochgeladen werden. Zur Übersicht über alle Folgen kommt ihr hier.

Jetzt aber viel Spaß mit dem 9. Kapitel!

9. Ein knapper Wettbewerb

 

„Sam …“, flüstere ich. „Was hat das zu bedeuten?“

„Wir haben uns gerade geküsst.“ Sam löst sich von mir und kichert.

„Bist du … sind wir … ist das …“

„Ist doch egal. Ist doch alles egal. Es war schön, fandest du nicht?“

„Doch. Ich wollte nur wissen, ob …“

„Keine Angst, du gehst damit keine Verpflichtungen ein. Ich verstehe dich schon. Du warst neugierig und wolltest wissen, wie es sich anfühlt, ein Mädchen zu küssen.“

„Eigentlich wollte ich …“

„Du bist nicht die Erste, die das mit mir macht.“ Sam zwinkert mir zu.

„Nicht?“ In mir macht sich eiskalte Enttäuschung breit. Wie viele Mädchen werden diese zarten Lippen wohl schon geküsst haben? Anscheinend war es Sam nicht ernst mit mir. Ich ließ die Schultern hängen.

„Nein, viele Mädchen sind neugierig. Das ist ganz normal.“

„Dann glaubst du nicht, dass ich lesbisch sein könnte?“, frage ich und versuche, mehr aus Sam herauszukitzeln.

„Nur wegen einem Kuss? Ach was!“ Sam macht eine wegwerfende Handbewegung. „Das ist eine Erfahrung auf einer Party. Nicht mehr und nicht weniger.“ Sie steht auf. „Wollen wir zurückgehen? Sonst verpassen wir womöglich noch den Karaokewettbewerb, da wäre doch schade.“

„Ja, sicher“, sage ich und versuche, mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Wenig später sind wir zurück in der Aula und lauschen einem schwarzhaarigen Mädchen, das gerade „I Will Always Love You“ in schiefen Tönen zum Besten gibt. Trotzdem scheint das Mädchen recht beliebt zu sein, denn die Menge klatscht und jubelt, als der letzte Ton verklingt. Etwas abseits von der Bühne sitzen zwei Jungs und ein Mädchen hinter einem Tisch. Als die Schwarzhaarige sich verbeugt, heben sie Punktetafeln in die Höhe. Eine Fünf, eine Sechs und eine Drei.

„Die Kandidatin hat vierzehn Punkte! Applaus für Nicky Hoßmann!“, ruft eine blonde Schülerin, die jetzt mit einem Mikro auf die Bühne springt. „Als nächstes präsentieren wir euch ein männliches Gesangstalent. Malte Thoma aus der 10b singt „We Will Rock You“ von Queen. Applaus für Malte!“

Ein Junge mit dunkelbrauen Wuschelhaaren betritt die Bühne und nimmt Nicky das Mikrofon ab. Nicky und die Moderatorin verlassen die Bühne und es wird ganz still. Dann erklingen die ersten Töne von „We Will Rock You“. Malte hebt die Hände und klatscht im Rhythmus. Das Publikum tut es ihm nach und feuert ihn kräftig an.

„Ich will unbedingt auch mitmachen“, ruft mir Sam zu. „Du auch?“

„Nein, danke.“ Ich schüttle den Kopf. „Singen ist wirklich nicht so meins.“

„Schade.“ Sie zieht einen Flunsch, doch dann reckt sie den Kopf. „Ich glaube, dort drüben kann man sich anmelden. Bis später dann.“

„Viel Glück!“, rufe ich ihr nach, doch da schlängelt sie sich schon durch die Menge.

Der Junge brüllt gerade den Refrain ins Mikro als ich angestupst werde. Ich drehe mich um. Uli steht vor mir und grinst mich schräg an.

„Der ist ziemlich gut, was?“, ruft er.

„Ja, schon“, antworte ich. Eine kräftige Stimme hat dieser Malte allemal.

„Aber die Kleine, die vorhin „Zombie“ gesungen hat, fand ich am besten. Und du?“

„Ich bin gerade erst dazu gekommen“, gebe ich zu.

„Wo warst du denn?“, bohrt Uli nach.

„Kurz an der frischen Luft. Mir war nicht gut.“

Uli nickt. „Kann ich verstehen. Hier drin ist ja eine Luft zum Schneiden.“

„Ja“, sage ich. Ich habe keine große Lust, mich mit Uli zu unterhalten, aber ich weiß, dass er alleine ist, deshalb tue ich ihm trotzdem den Gefallen.

„Warum stehst du hier ganz alleine herum?“, fragt er mich in diesem Moment.

„Ich war mit Sam zusammen, aber sie will singen“, erkläre ich.

„Oh, wirklich?“ Uli lacht laut auf. „Das würde ich mir nicht geben. Ich hoffe, sie ist gut.“

Der letzte Ton von „We Will Rock You“ verklingt und das Publikum tobt. Die Jury tauscht kurz vielsagende Blicke, dann halten sie wieder ihre Tafeln hoch.

„Fünfundzwanzig Punkte für Malte Thoma! Damit verdrängt er Lisa Miller vom Treppchen. Es wird spannend, meine Lieben. Als nächstes darf ich euch Samantha Johnson ankündigen. Sie wird „I Kissed A Girl“ von Katy Perry singen. Applaus für Samantha Johnson!“

Uli und ich jubeln laut und klatschen Beifall. Der Applaus für Sam fällt etwas verhalten aus. Vermutlich weil sie nicht zu den beliebten Schülerinnen des Internats gehört und Claudias Clique schon genügend Gift über sie verspritzt hat.

Die ersten Töne der Musik erklingen, dann setzt Sam ein. Mir verschlägt es die Sprache. Ihr Gesang ist perfekt, anders könnte man es nicht ausdrücken. Sie trifft jeden Ton, schmettert die Sätze nur so heraus. Ich finde sie sogar noch besser als Katy Perry und hüpfe aufgeregt auf und ab und juble ihr zu.

„Oh mein Gott“, ruft Uli atemlos neben mir. „Sie ist ja super!“

„Finde ich auch!“, antworte ich und strahle.

„I kissed a girl and I liked it!“, singt Sam und tanzt über die Bühne. Als das Lied verklingt, flippt das Publikum aus. Ich sehe gebannt zur Jury, die gerade noch nachdenkt. Dann heben sie ihre Tafeln. Ich quietsche vor Stolz.

„Achtundzwanzig Punkte für Samantha Johnson. Damit liegt sie noch vor Malte Thoma! Diese Show ist Spannung pur – es kommen noch zwei Kanditaten. Dann werden wir den Sieger des heutigen Nachmittags küren.

Als nächstes tritt ein Mädchen mit roter Lockenmähne auf. Sie singt „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ und klingt dabei wie eine heulende Sirene. Am Ende kassiert sie siebzehn Punkte. Sam liegt immer noch vorne. Ich recke meinen Kopf nach ihr und erkenne sie neben der Bühne. Sie steht bei den anderen Kandidaten und wartet gespannt auf den letzten Teilnehmer. Ein blonder Junge gibt Michael Jacksons „Thriller“ zum Besten. Und er ist verdammt gut. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass er Sam den Sieg wegschnappen könnte. Er tanzt genau wie der King of Pop, inklusive Moonwalk. Das Publikum liebt ihn, ist völlig gebannt von seiner Performance. Als der letzte Ton verklingt, schauen alle gespannt zur Jury. Der Erste hebt seine Tafel. Neun Punkte. Der Zweite gibt ihm sogar zehn Punkte. Wenn der Letzte auch noch einmal zehn Punkte verteilt, hat er gewonnen. Der letzte Juror lässt sich Zeit. Er kratzt sich am Kopf und schnappt sich eine Tafel, dann legt er sie wieder auf den Tisch und nimmt eine andere. Er hält sie in die Höhe. Acht Punkte! Ich quietsche vor Begeisterung.

„Der Kandidat hat siebenundzwanzig Punkte!“, ruft die Moderatorin und springt auf die Bühne. „Damit steht unsere Gewinnerin fest: Herzlichen Glückwunsch, Samantha Johnson!“

Die Menge jubelt und klatscht Beifall. Ich rufe Sams Namen. Sie steht auf der Bühne und bekommt von der Moderatorin einen gläsernen Pokal überreicht. Dann sieht sie in meine Richtung. Ich springe hoch und winke ihr zu. Sie lächelt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich gesehen hat oder ob sie zufällig in meine Richtung lächelt.

„Sie hat es so verdient“, sagt Uli und jubelt neben mir.

„Ja, sie war fantastisch“, schwärme ich und bekomme mein dümmliches Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

„Lass uns zu ihr rüber gehen“, schlägt Uli vor.

„Gute Idee!“ Ich schiebe mich hinter dem dicken Jungen durch die Menschenmenge in Richtung Bühne. Ich werde geschupst und muss mir den Weg freikämpfen, doch schließlich erreichen wir die Treppenstufen, die zur Bühne empohrführen. Sam kommt mir entgegen. Als sie mich sieht, lacht sie und schwingt freudestrahlend ihren Pokal.

„Du warst so super! Herzlichen Glückwunsch!“, kreische ich und springe ihr in die Arme. Sie hält mich fest und der Pokal drückt gegen meine Rippen.

„Danke, Süße!“, sagt Sam. Dann lässt sie mich wieder los und umarmt umständlich Uli, der ihr ebenfalls zu ihrem Sieg gratuliert.

Noch etliche andere Leute stehen an, um Sam zu ihrem Sieg zu gratulieren. Die anderen Kanditaten und – wie ich schließlich bemerke – auch Lis und May, die mich allerdings ignorieren. Ich sehe Sam nach, wie sie andere Gratulanten umarmt, als Uli mich anstupst.
„Komm“, sagt er. „Holen wir uns etwas zu Trinken. Ich habe einen ganz trockenen Hals.“

Ich schaue nochmals zu Sam, doch sie ist immer noch mit anderen Leuten beschäftigt, also gebe ich nach und folge Uli zur Bar. Dort angekommen fällt mir wieder ein, dass ich ja mein Geld im Zimmer vergessen habe. „Kannst du mir was leihen, Uli?“, frage ich.

„Ach, ich lade dich ein“, sagt mein Nebensitzer und zückt sein Portemonnaie.

„Das musst du wirklich nicht“, widerspreche ich, doch er lässt nicht locker.

„Keine Widerrede“, sagt er. „Ohne dich würde ich allein hier rumstehen. Da kann ich dir auch einen Drink spendieren.“

Ich willige schließlich ein und wenig später nippen wir an zwei alkoholfreien Cocktails. Uli entpuppt sich als ein ganz angenehmer Zeitgenosse. Er erzählt mir von seinem Zuhause. Sein Vater ist evangelischer Pastor in einer kleinen Dorfgemeinde und seine Mutter leitet eine Jugendgruppe in der Kirche. Als Pastorensohn hatte er es nicht immer einfach. Es wurde von ihm erwartet, dass er sich vorbildlich benahm, was ihm nicht immer ganz einfach fiel. Er flüchtete sich in die virtuelle Welt der Computerspiele. Als seine Schulnoten darunter immer mehr litten, entschieden seine Eltern, ihn aufs Internat zu schicken.

„Ich vermisse meine Computerspiele“, gibt Uli zu. „In den Ferien mache ich zuhause fast nichts anderes.“ Er lacht laut und ich stimme in sein Lachen ein. Es ist ein herzliches Lachen und indem ich mich davon anstecken lasse, vergesse ich für einen Moment meine Sorgen.

„Hier bist du.“ Jemand tritt neben mich. Es ist Sam, die noch immer über das ganze Gesicht strahlt. „Ich habe dich gesucht.“

„Du warst beschäftigt, da habe ich gedacht, ich gehe mit Uli mal was trinken“, erkläre ich.

„Ist schon gut, du brauchst dich nicht zu rechtfertigen.“ Sam grinst und stellt ihren Pokal auf der Theke ab. Dann bestellt sie sich ebenfalls einen Cocktail. „Wobei habe ich euch gestört?“, fragt sie und schaut von mir zu Uli.

„Er hat mir gerade erzählt, dass er gerne Computerspiele spielt“, bemerke ich.

„Ach echt?“, fragt Sam und schaut Uli an. „Was zockst du denn so?“

„Am liebsten Call of Duty“, sagt Uli und zuckt die Schultern.

„Mhm, kenne ich nicht.“ Sam schüttelt den Kopf. „Ich spiele manchmal die Sims, kennst du das?“

„Klar“, sagt Uli und nippt an seinem Glas.

„Aber am meisten Spaß macht es mir, die Häuser zu bauen und einzurichten.“ Sam grinst schief.

„Dann solltest du wohl Architektin werden“, sagt Uli.

„Ja, das wäre in der Tat eine Option für mich.“

„Finde ich cool“, bemerke ich, um auch etwas zu sagen. Zum Thema Computerspiele kann ich nicht viel beisteuern. Ich spiele selbst nie welche.

Der DJ legt wieder alte Musik aus den Sechzigern auf. Ein paar beginnen zu tanzen, aber wir bleiben an der Bar und schlürfen unsere Cocktails.

„Da ist ja unsere Siegerin“, ertönt plötzlich eine hohe Mädchenstimme. Wir drehen uns um und stehen vor Claudia und ihren Jüngerinnen.

„Bilde dir ja nicht zuviel auf deinen Sieg ein, Johnson. So gut warst du auch wieder nicht. Gegen diesen kläglichen Haufen von Versagern zu gewinnen, war keine besondere Glanzleistung.“ Sie zieht abfällig die Augenbrauen hoch und mustert Sam. Ich sehe zu meiner Freundin. Sie klammert sich so heftig an ihrem Cocktailglas fest, dass die Knöchel ihrer Hand weiß hervortreten. Ihr Kiefer ist angespannt und sie beißt sich auf die Unterlippe.

„Was willst du, Claudia? Kannst du es nicht ertragen, dass ich auch mal Erfolg habe?“, zischt Sam.

„Wie gesagt, es war keine Glanzleistung.“

„Brauchst du grade zu sagen“, bemerkt Uli. „Du hast ja gar nicht gesungen.“

Claudia betrachtet Uli abschätzend. „Nach deiner Meinung hat keiner gefragt, Klößchen.“

Uli schießt die Röte ins Gesicht. Ich will ihm etwas beruhigendes zuflüstern, doch da holt er schon aus und knallt seine Faust Claudia zwischen die Augen. Ihre Jüngerinnen kreischen laut auf, als ihre Anführerin zu Boden geht.

„Sag mal, spinnst du?“ Claudia rappelt sich auf. Sie hält sich die Nase, aus der Blut läuft.

„Nenn mich nie wieder Klößchen“, knurrt Uli. „Hast du das verstanden?“

 

Advertisements

3 Kommentare zu “„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – Kapitel 9

  1. Hach, Sams Songwahl trifft ja direkt ins Schwarze :D. Ich konnte mir die Stimmung gut vorstellen und hoffe, dass Sam, Uli und Dany irgendwie zu einer Clique zusammenwachsen dürfen.
    Nur der Faustschlag… Verdient. Sowas von verdient. Aber ich fürchte, das gibt Ärger für Uli 😦

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s