„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – Kapitel 10

Hallöchen!

Schön, dass du wieder auf meinem Blog vorbeischaust. Heute geht es weiter mit Dany, freche-madchenSam und Uli.

In der letzten Folge haben Dany und Uli sich angefreundet. Als Claudia hinzustößt und wieder ihr Gift verspritzt, schlägt Uli ihr auf die Nase, sodass sie zu Boden geht. Auch der Kuss zwischen Dany und Sam macht unserer Protagonistin zu schaffen. Glaubt Sam wirklich, dass sie sie nur aus Neugier geküsst hat?

Im Laufe des Tages wird das 10. Kapitel auch bei SweekWattpad und  FanFiktion.de hochgeladen werden. Zur Übersicht über alle Folgen kommst du hier.

Jetzt aber viel Spaß mit Kapitel 10.

10. Mein erstes Mädchen

„Was ist hier los?“ Frau Pätzold steht plötzlich vor uns und schaut von Uli zur verletzten Claudia.

„Dieser Vollhonk hat mich geschlagen“, sagt Claudia und presst ein Papiertaschentuch unter ihre Nase.

„Was soll das, Ulrich? Wieso schlägst du deine Mitschülerin?“

„Sie hat mich Klößchen genannt“, brummt Uli.

„Das ist doch kein Grund, gleich handgreiflich zu werden.“ Frau Pätzold wirft Uli einen giftigen Blick zu. „Mitkommen, alle beide.“

„Aber ich habe doch nichts gemacht“, schnieft Claudia.
„Dich bringe ich auf die Krankenstation und Ulrich zum Direktor.“

Über Claudias Gesicht breitet sich sich ein schadenfrohes Grinsen aus, während Uli kreidebleich wird.

„Zum Direktor?“, keucht er.

„Das ist nicht fair. Uli wurde provoziert“, schaltet sich Sam ein.

„Das ist trotzdem kein Grund, zu schlagen. Los jetzt!“, drängt Frau Pätzold und zieht Uli am Arm mit sich.

„Wenn er Pech hat, wird er suspendiert“, bemerkt eine von Claudias Jüngerinnen.

Ich werfe ihr einen giftigen Blick zu. Noch ehe ich etwas sagen kann, schiebt Sam mich in Richtung Tanzfläche. „Komm“, raunt sie. „Das müssen wir uns nicht länger geben.“

Wir tanzen bis spät in die Nacht. Ich kann die Vorkommnisse aber nicht vergessen und meine Gedanken sind die ganze Zeit bei Uli. Hoffentlich wird er nicht wirklich von der Schule geschmissen. Ich hatte zwar nie viel von ihm gehalten, doch heute auf der Party ist er mir doch sympathisch geworden. Wir haben uns gut unterhalten und er scheint ein ganz netter Kerl zu sein. Und wie er Claudia zwischen die Augen geboxt hat, war eine Genugtuung, wie ich sie selten verspürt habe. Sie hat es sowas von verdient. Hoffentlich ist die Nase gebrochen.

Erst um ein Uhr morgens, als die Party offiziell endet, machen Sam und ich uns auf den Rückweg in unser Zimmer. Wir sind noch immer völlig zappelig und die Müdigkeit macht sich noch nicht bemerkbar, weshalb wir beschließen, im Zimmer noch eine DVD auf ihrem Laptop zu schauen. Doch als wir das Zimmer betreten, finden wir May und Lis bereits in ihren Betten. So leise wie wir können, ziehen wir uns unseren Pyjamas an, dann winkt Sam mich zu sich aufs Bett. Sie fährt ihren Laptop hoch und steckt ihre Ohrstöpsel in die Buchse für die Kopfhöhrer.

„Müssen wir uns die eben teilen“, flüstert sie und reicht mir einen Ohrstöpsel. Ich stecke ihn mir ins rechte Ohr und sie sich ihren ins linke. Dann schauen wir „Aimee & Jaguar“, den Lesbenfilm, den Sam mir empfohlen hat. Er ist wirklich nicht schlecht, aber am meisten genieße ich die Nähe zu Sam. Ihre Hand liegt direkt neben meiner. Wenn ich den kleinen Finger ausstrecken würde, würde ich sie berühren. Ich kann ihre Wärme spüren, kann ihr Parfum riechen. Sie duftet gut, wie eine Wiese im Frühling, vermischt mit einem leichten Schweißgeruch. Kein Wunder, wir hatten ja getanzt wie die Wilden.

Plötzlich sinkt ihr Kopf auf meine Schulter. Sie atmet tief und langsam. Ihre Augen sind geschlossen, die Lippen leicht geöffnet. Ich lege meinen Arm um ihre Schulter und drücke sie an mich. Es gefällt mir, wie sie halb auf mir liegt. Ihr Haar kitzelt meine Wange. Ich streiche ihr sanft über den Oberarm. Immer und immer wieder. Auf einmal zuckt sie zusammen und sieht mich erschrocken an.

„Tu-tut mir Leid“, stottert sie. „Ich bin eingenickt.“

„Ist doch kein Problem.“ Ich lächle so freundlich und verständnisvoll wie ich kann.

Ein schiefes Grinsen gleitet über ihre Züge. „Nicht, dass du denkst, ich wollte dich anmachen oder sowas.“ Sie kichert.

„Nein, das würde ich doch niemals denken“, flüsterte ich zurück und kichere ebenfalls. Doch mir ist überhaupt nicht nach Lachen zumute. Was wäre denn so schlimm daran, wenn sie mich anmachen würde? Mir persönlich würde das sehr gelegen kommen.

„Sorry, aber ich bin so müde, ich penne gleich wieder ein“, wispert Sam und schaltet den Film aus. „Lass uns morgen den Schluss anschauen.“

„Ist gut.“ Ich nehme den Ohrstöpsel aus meinem Ohr und reiche ihn ihr. „Dann gute Nacht.“ Ich sehe sie erwartungsvoll an.

„Ist irgendwas?“, fragt sie.

„Bekomme ich zur guten Nacht noch eine Umarmung?“

„Na, klar.“ Sam breitet die Arme aus und drückt mich kurz und innig an sich. Ich atme ihren Duft ein, spüre ihre Wärme. Mein ganzer Körper kribbelt und mein Herz macht einen Hüpfer. Doch viel zu schnell ist die Umarmung wieder vorbei und ich muss aus ihrem Bett klettern und mich in meines legen.

„Schlaf gut“, flüstert Sam, als ich unter meine Bettdecke krieche.
„Danke, du auch.“ Ich gähne herzhaft, dann ziehe ich mir die Decke bis zum Kinn und drehe mich auf die Seite. Doch an Schlafen ist nicht zu denken. Ich bin zwar ebenfalls mittlerweile ein bisschen müde und vor allem ziemlich geschafft vom Tanzen, aber mir gehen ständig Sam und unser Kuss im Kopf herum. Ich spüre ihre weichen Lippen auf meinen, schmecke ihren Mund, fühle die Hitze, die dieser Kuss in mir entfacht. Und dann empfinde ich wieder die Enttäuschung, als Sam behauptet, der Kuss würde nichts bedeuten. Ist das wirklich ihre Meinung? Oder will sie nur nicht zugeben, dass sie dabei etwas für mich fühlte? Es macht mich traurig, dass sie mich offensichtlich nicht als potentielle Freundin ansieht. Freundin im Sinne von Partnerin, nicht von weiblichem Kumpel. Aber bedeutet das wirklich, dass ich lesbisch bin? Das kann doch eigentlich nicht sein, denn bisher hatte ich mich immer nur in Jungs verguckt.

Da war Markus in der Fünften, Klassenclown und Spaßkanone. Er war einer der beliebtesten Schüler der Klasse und ich hatte mich schon am ersten Schultag voll ihn ihn verknallt. Meine Liebe hielt bis zu dem Tag, als ich ihn mit Susi Hand in Hand durch den Park schlendern sah. Da brach mein Herz und ich schwor mir, mich nie wieder zu verlieben.

Das hielt ungefähr so lange, bis ich mich in Toni verliebte. Er war ebenfalls Klavierschüler und hatte vor mir Unterricht. Ich kam mit Absicht immer etwas früher in die Klavierstunde, damit ich ihm noch beim Spielen zuhören konnte. Toni war mindestens drei Jahre älter als ich und das hörte man seinem Klavierspiel auch an. Doch Toni nahm nie Notiz von mir. Bis zu dem Tag, als wir ein Schülervorspiel hatten und ich mich auf dem Klavier total verspielte. Es war eine absolute Vollkatastrophe. Ich warf einen panischen Blick zu meiner Lehrerin, die ganz vorne im Publikum saß – und neben ihr saß Toni und musste sich das Lachen verkneifen. Da wusste ich, dass meine Liebe für ihn gestorben war.

Nach Toni kam lange nichts, bis ich mich in den Schulsprecher Leon verknallte. Er hatte pechschwarzes Haar und strahlend blaue Augen und war ein wunderbarer Sportler. Das wusste ich, weil er bei den Bundesjugendspielen immer die Goldmedaille abholte, während ich mit einer Teilnehmerurkunde abgespeist wurde, die jeder bekam, der sportlich nichts auf die Reihe brachte. In Leon war ich so lange verknallt, bis meine Eltern beschlossen, mich nach St. Lucia zu schicken. Dann verlor ich ihn aus den Augen – und lernte Sam kennen. Ein Mädchen, das mein Leben ziemlich auf den Kopf stellte. Sam ist mein erstes Mädchen und wenn mich das nicht so durcheinanderbringen würde und ich nicht so schüchtern wäre, dann hätte ich mich schon längst an sie rangemacht. Schließlich habe ich das große Glück, dass sie lesbisch ist. Meine erste lesbische Liebe hätte ja auch ein heterosexuelles Mädchen treffen können. Das wäre dann weitaus schwieriger zu bewerkstelligen gewesen. Doch trotzdem weiß ich nicht, wie ich Sam klarmachen soll, dass unser Kuss nicht nur dazu gut war, meine Neugier zu befriedigen. Ich will mehr von ihr. Ich will sie ganz, mit Haut und Haaren. Ich will ihr Mädchen sein, ihre feste Freundin. Dieser Wunsch kommt aus der Tiefe meines Herzens und ich möchte nichts sehnlicher, als dass er wahr wird.

Irgendwann schlafe ich dann doch ein. Allerdings träume ich die ganze Nacht von Sam. Wir laufen über eine Blumenwiese und halten uns dabei an den Händen. Auf einmal bleibt Sam stehen, bückt sich und pflückt eine Margerite. Dann steckt sie sie mir ins Haar und lacht. Ihre Augen strahlen und ich versinke in ihrem Blick.

„Du siehst so hübsch aus, meine Dany“, sagt sie leise und berührt mit der Hand meine Wange. Dann kommt sie näher und immer näher. Ich schließe meine Augen und spitze die Lippen …

Ich schlage die Augen auf. Es ist hell und die Sonne scheint durch die Ritze der zugezogenen Vorhänge herein. Ich schiele zu den Betten auf der gegenüberliegenden Seite hinüber. Sam liegt noch da und schläft, aber das Bett von Lis ist leer. Mühselig angle ich auf dem Nachttisch nach meienm Handy. Ich aktiviere das Display und schaue auf die Zeitanzeige. Kurz vor zehn. Ich reibe mir die Augen. Wenn ich noch ein Frühstück möchte, muss ich mich beeilen. Samstags gibt es Frühstück bis 10:30 Uhr. Ich überlege mir, ob ich Sam wecken soll, doch sie schläft noch so tief und fest, dass ich beschließe, sie liegen zu lassen. Nachdem ich meine Morgentoilette erledigt habe, ziehe ich mich an und mache mich auf den Weg in die Mensa.

Die Flure sind wie ausgestorben. Die meisten liegen wohl noch im Bett und schlafen aus, nachdem sie gestern bis spät in die Nacht gefeiert haben. Lediglich in der Mensa finde ich ein paar vereinzelte Leute. An einem Tisch am Fenster erkenne ich Lis und May, die zu mir herüberschauen, als ich den Raum betrete. Ich hole mir mein Frühstück, Brötchen, Marmelade und Butter, sowie eine Tasse frischen Pfefferminztee, und steuere auf einen der leeren Tische zu.

„Hey, Dany! Komm doch rüber!“

Ich schaue auf. Ein paar Tische hinter Lis und May sitzt Uli und winkt mir zu. Ich mache einen Schlenker und gehe zu ihm.

„Guten Morgen.“ Ich stelle mein Tablett auf den Tisch und lasse mich Uli gegenüber nieder.

„Morgen. Na, hast du gut geschlafen?“

„Geht so“, sage ich. „Und du?“

„Nicht wirklich.“

„Wie ist dein Gespräch mit dem Direktor gestern gelaufen?“

„Er war ziemlich sauer und hat mir eine Standpauke gehalten.“

„Sonst nichts?“

„Na ja, ich muss dem Hausmeister die nächsten vier Wochen zur Hand gehen.“

„Dann wirst du nicht suspendiert?“

„Nein, zum Glück nicht.“

„Puh!“ Ich atme erleichtert aus, während ich mein Brötchen mit Butter und Marmelade beschmiere und dann genüsslich hineinbeiße.

„Ist Sam noch im Bett?“, will Uli wissen.

„Ja, ich wollte sie nicht wecken.“

„Ihr versteht euch ziemlich gut, oder?“ Er sieht mich durchdringend an.

„Ähm … ja, wir sind gute Freunde“, sage ich und weiche seinem Blick aus. Dass Sam weit mehr als eine gute Freundin für mich ist, muss ich ihm ja nicht gleich auf die Nase binden. Mal abgesehen davon denkt wegen der Aktion mit Sven sowieso jeder, dass ich auf Jungen stehe.

„Naja“, flüstert Uli und beugt sich zu mir hinüber. „Ich meine, ihr mögt euch wirklich gern.“

„Worauf willst du hinaus?“, wispere ich zurück.

„Du kannst hier allen etwas vormachen, Dany. Aber mir nicht. Ich habe einen Blick für sowas.“

„Ich weiß wirklich nicht, wovon du redest.“

„Das weißt du sehr wohl“, sagt Uli etwas lauter. „Und ich finde es gut.“

„Wirklich?“

„Natürlich. Ihr passt super zusammen.“

„Findest du?“

„Na, hör mal. Ihr seid doch wie Yin und Yang. Ihr zieht euch magisch an, das sieht man.“

„Ich hoffe, das ist außer dir noch niemandem aufgefallen.“

„Ich glaube nicht“, sagt Uli und zwinkert mir verschwörerisch zu.

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4 Kommentare zu “„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – Kapitel 10

  1. Puh, keine Suspendierung für Uli *erleichtert ist*
    Und dürfte es auch für Dany erleichtern, dass der Junge, der auf SIE steht, begriffen hat, in wen sie verliebt ist und es akzeptiert.
    Wenn nur nicht immer noch die Sache mit Sven wäre (ich habe da ein ganz mulmiges Gefühl, solche Kerle geben sich selten „nur“ mit Cybermobbing zufrieden :/ ).
    Und Dany scheint sich ihrer Gefühle so langsam ziemlich sicher zu sein <3.

    Gefällt 1 Person

    • Aww, ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, dass du noch immer mitliest. 🙂 Auch auf Wattpad und Co. gewinnt die Geschichte immer mehr Leser. Das macht mich total happy, damit hätte ich nicht gerechnet. 🙂

      Und ja, dein Gefühl täuscht dich nicht. Sven wird nicht so leicht aufgeben.

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

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