Polyamorie – Mehrfach verliebt

Sie ist heftig umstritten und doch macht sie auch ziemlich viel Sinn: Die Polyamorie, auch Vielliebe genannt. Im folgenden Artikel möchte ich mich einmal damit auseinandersetzen, ob die Polyamorie eine Lösung für Beziehungskrisen sein könnte und ob wir generell etwas offener für dieses Thema werden sollten.

polyamorie

Vor ein paar Tagen habe ich eine Dokumentation über Polyamorie gesehen. Zwei Paare retteten darin ihre Beziehung, indem sie sich erlaubten, weitere PartnerInnen zu haben.  Eines der beiden Paare, ein älteres Ehepaar, ist dadurch wieder richtig aufgeblüht. Das hat mir zu denken gegeben.

Ich mache mir ja schon länger Gedanken darüber, ob der Mensch wirklich monogam veranlangt ist oder ob unsere monogamen Beziehungen nicht wirklich das Gelbe vom Ei sind. Es ist hierzulande Standard, dass ein Paar sich liebt und (mehr oder weniger) treu ist. Doch was, wenn sich einer der beiden in eine andere Person verliebt? Ohne aber aufzuhören, den/die PartnerIn zu lieben? Dann gibt es zwangsweise Tränen. Man wird sich untreu, lügt sich an, es entstehen ernsthafte Probleme und die Beziehung ist langfristig zum Scheitern verurteilt.

Nicht aber, wenn sich das Paar zusammenrauft und darüber nachdenkt, die Beziehung zu öffnen. Eine offene Beziehung – ist das eine Option? In der Dokumentation wurde es als gute Möglichkeit dargestellt, ein glückliches Leben zu führen.

Das Wichtigste sind hierbei zwei Dinge:

  1. Keine Eifersucht. Wenn einer der beiden Partner eifersüchtig ist, dann funktioniert eine Vielliebe nicht. Im Gegensatz dazu sollte man seinem Partner gönnen, dass er mit den Menschen zusammen sein kann, die er liebt.
  2. Absolute Ehrlichkeit. Es ist wichtig, dass die Partner sich vertrauen und offen zueinander sind. Man muss nicht ausplaudern, was man mit dem Zweitpartner treibt, aber man sollte sich zumindest anvertrauen, dass dieser existiert.

Man sollte, bevor man diese Option in Betracht zieht, einmal in sich selbst gehen und sich fragen, ob man diese beiden Punkte erfüllen kann. Beantwortet man diese Frage mit Nein, ist eine offene Beziehung bzw. Polyamorie nicht die richtige Lösung. Nicht für jeden Menschen eignet sich eine solche Konstellation.

Es wäre aber zumindest mal eine Überlegung wert. Nicht nur, wenn man sich in eine dritte Person verliebt, sondern auch z. B. wenn der Partner einem nicht die vollkommene Erfüllung geben kann. Eine Trennung wäre hier eine Möglichkeit, aber was, wenn man sich eigentlich nicht trennen will, weil man seine/n PartnerIn liebt? Könnte man sich dann vorstellen, eine weitere Person in die Beziehung zu holen, die dann eventuell die Bedürfnisse des/der PartnerIn befriedigt?

Meiner Meinung nach wäre das eine Möglichkeit. Aber wie gesagt, Polyamorie eignet sich nicht für jeden Typ. Trotzdem sollten wir unsere mongamen Beziehungen mal überdenken. Gäbe es nicht viel weniger Leid, wenn Polyamorie eine Normalität wäre? Getreu dem Motto „Lieben und lieben lassen“ könnte man völlig frei lieben und müsste seine Gefühle nicht mehr einschränken.

Es gäbe weniger Betrügereien und dadurch würden auch die Beziehungen länger halten.

Ich finde diesen Gedanken irgendwie reizvoll. Ich würde auch gerne mal darüber schreiben. In gewissem Sinne habe ich das sogar schon einmal. In meinem SciFi-Roman „Xuriva“ führen die Stammesmitglieder des Lybbah-Stammes mehrfache Beziehungen, sowohl hetero- als auch homosexuelle.

Was haltet ihr von Polyamorie? Könntet ihr euch vorstellen, Beziehungen zu mehr als einer Person gleichzeitig zu führen? Denkt ihr, dass das eine Lösung sein könnte für Beziehungskrisen? Sollte unsere Gesellschaft offener damit umgehen? Lasst mir doch einen Kommentar da, ich würde mich sehr freuen.

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2 Kommentare zu “Polyamorie – Mehrfach verliebt

  1. Für mich persönlich wäre das keine Option. Du weißt ja, wo ich mich auf dem Spektrum sehe und da kann ich mir weder einen zweiten Partner für mich vorstellen noch kann ich mir vorstellen, meinen Partner zu teilen. Das ist… könnte ich für mich persönlich nicht.

    Aber: Für Menschen, für die das Konzept funktioniert, ist es eine Lösung. Wenn sie mit einem Partner nicht glücklich sind, mehrere Menschen gleichwertig lieben oder von mehreren gleichwertig geliebt werden… Wieso nicht? Ich bin da völlig vorurteilsfrei anderen Lebewesen gegenüber :). Hauptsache, sie sind glücklich.
    Und wie du es so schön formuliert hast: Es bleibt allen Seiten viel Frust und Leid erspart, wenn jeder Mensch so lieben kann, wie dieser Mensch es möchte. Mit keinem, einen oder eben mehreren Partnern.

    (Für mich existierte ja von vornherein nur die Option „keiner oder höchstens einer“, auch als ich mir dessen noch gar nicht bewusst war. Aber für Menschen, die sich irgendwann als polyamor begreifen und dann danach leben können, ist es vermutlich eine unglaubliche Befreiung.)

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  2. Hallo Evanesca,

    entschuldige, dass ich erst jetzt antworte. Irgendwie hatte ich gedacht, ich hätte dir schon eine Antwort geschrieben, dabei hab ich’s voll verpeilt 😛

    Ich gebe dir recht, es ist nicht für jeden etwas und ich kann nachvollziehen, dass diese Art der Beziehung nichts für dich wäre. Trotzdem finde ich es stark, dass du keine Vorurteile gegenüber anderen hast, die diese Beziehungsform leben (wollen).

    Ich persönlich müsste es mal ausprobieren, ich weiß nicht, ob es für mich eine Lösung wäre. Aber grundsätzlich vorstellen könnte ich es mir schon.

    Liebste Grüße
    Emma

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