„Freche Mädchen küssen besser“ (Lesbian Romance) – Kapitel 12

Hallöchen,

schön, dass du wieder bei mir auf dem Blog vorbeischaust. Heute geht es weiter mit freche-madchenDany, Sam und ihren Freunden.

Diesmal versucht Dany erneut, Sam klarzumachen, was sie für sie fühlt. Doch das klappt nicht so gut, wie geplant. Dafür erfährt sie noch ein paar weitere Details über Sams bisheriges Liebesleben.

Im Laufe des Tages wird das 12. Kapitel auch bei SweekWattpad und  FanFiktion.de hochgeladen werden. Zur Übersicht über alle Folgen kommst du hier.

Jetzt aber viel Spaß mit Kapitel 12.

12. Wink mit dem Zaunpfahl

Sam lässt meine Hand los. „Lass sie ihn Ruhe!“, brüllt sie.

Sven steckt seinen Kopf zur Tür heraus. „Sag schon! Seid ihr zusammen?“

„Wir sind nicht zusammen, du Idiot!“ Sam wird knallrot im Gesicht. „Dany ist nicht lesbisch, also lass sie gefälligst in Frieden.“

Mein Kopf rebelliert. Ich möchte Sams Hand wieder nehmen und ihr offen sagen, dass das nicht stimmt. Dass ich mehr für sie empfinde als Freundschaft. Doch ich bringe es nicht über die Lippen. Stattdessen stehe ich stocksteif da und sehe zu, wie Sven vielwissend grinst und sich wieder in sein Zimmer verzieht.

„Wehe, du verbreitest wieder Gerüchte!“, schreit Sam. „Dann bist du tot, das schwöre ich dir!“

„Komm, Sam“, sage ich. „Das macht keinen Sinn.“

„Ich ticke aus, wenn der wieder irgendwelche Scheiße über dich verbreitet!“ Sams Unterlippe zittert und sie beißt die Zähne fest zusammen.

In diesem Moment kommt Uli aus seinem Zimmer, der das Geschrei wohl mitbekommen hat. „Da seid ihr ja“, sagt er. „Macht Sven schon wieder Ärger?“

„Nein, alles okay“, sage ich schnell, bevor Sam etwas erwidern kann. Ich nehme sie am Arm und ziehe sie in Ulis Zimmer. Dieser schließt die Tür hinter uns. Auf den Teppich liegt sein Erdkundebuch und ein paar Kissen. Wir nehmen im Schneidersitz Platz und schlagen unsere eigenen Bücher und Hefte, die wir mitgebracht haben, auf. Momentan geht es um die Plattentektonik. Ein äußerst interessantes Thema, aber leider auch ziemlich kompliziert.

„Ich habe schon mal ein bisschen angefangen“, sagt Uli und setzt sich zu uns. „Ich würde vorschlagen, wir lesen uns erst mal die Aufschriebe im Heft durch und nachher fragen wir uns gegenseitig ab.“

Diese Idee gefällt uns und so machen wir es. Die Aufschriebe sind zum Glück ziemlich gute Zusammenfassungen und nicht allzu ausführlich. Unser Erdkundelehrer Herr Spindler stellt Inhalte gerne grafisch dar, deshalb sind die Seiten meines Heftes voller Zeichnungen und Skizzen. Anschließend fragt Uli uns ab. Er hat den Stoff schon ziemlich gut drauf und braucht nicht einmal das Heft oder Buch dazu. Ich kann die meisten seiner Fragen beantworten, doch bei manchen Themen holpert es noch ein wenig. Sam hingegen kann sich die Inhalte einfach nicht einprägen.

„Erdkäse ist scheiße“, bemerkt sie mehr als einmal und diese Einstellung wird sie auch nicht los, als wir uns schließlich gegen achtzehn Uhr wieder trennen.

„Hast du Lust auf eine Joggingtour?“, fragt Sam, als wir die Treppen zu den Mädchenschlafsälen hinabsteigen. „Ich brauche einen Ausgleich zu dieser ganzen Denkarbeit.“

„Von mir aus gerne“, erwidere ich. Ein bisschen Laufen würde uns sicher gut tun. Ich muss dringend meinen Kopf freibekommen. Nicht nur die Plattentektonik dreht darin eine Ehrenrunde nach der anderen, sondern auch die Sache mit Sam. Was wenn Sven tatsächlich Gerüchte in die Welt setzt? Würde er das wirklich tun? Zuzutrauen wäre es ihm. Vermutlich hat er noch immer nicht verdaut, dass ich nichts von ihm will und ist deshalb sauer auf mich. Eigentlich ist es mir auch egal, ob über mich weitere Gerüchte verbreitet werden, ich will nur nicht, dass Sam da mit hineingezogen wird. Das wäre nicht fair.

Die Joggingtour tut uns wirklich gut. Auch wenn wir erst kaum ein Wort sprechen, hilft es uns, freie Köpfe zu bekommen. Zumindest mir, und ich habe das Gefühl, dass Sam auch sehr davon profitiert. Ihre Gesichtszüge, die den ganzen Nachmittag angespannt gewesen waren, lockern sich wieder und wenn ich sie ansehe und sie meinen Blick bemerkt, lächelt sie.

„Darf ich dich mal etwas fragen?“, beginne ich schließlich, als wir bereits die Hälfte unserer Tour zurückgelegt haben.

„Natürlich, du darfst mich alles fragen“, antwortet Sam. „Schieß los!“

„Du hast doch mal erwähnt, dass du eine Freundin hattest.“

„Ja, Elena.“ Sam nickt.

„Warum hat eure Beziehung nicht funktioniert? Habt ihr euch wegen dem Internat getrennt?“

„Nein, wir trennten uns bereits, bevor ich ins Internat kam. Elena und ich waren das perfekte Paar, aber wir hielten unsere Beziehung geheim. Nur unseren engsten Freunde wussten von uns, ansonsten dachten alle, wir wären einfach nur gute Freundinnen.“

„Verstehe. Das war sicher nicht einfach, diese Beziehung geheim zu halten.“

„Nein, keinesfalls.“ Sam schüttelt den Kopf. „Deswegen sind wir auch irgendwann aufgeflogen. Elenas Mutter platzte in ihr Zimmer, als wir uns gerade innig küssten.“

„Oh je! Das war sicher ein Schock für sie!“

„Und wie! Sie war stinksauer und hat Elena verboten, mich zu sehen. So ist unsere Beziehung gescheitert. Elana hat dann Schluss gemacht, wegen ihrer Eltern.“

„Das hat dich bestimmt sehr verletzt.“

„Es war eine schwere Zeit, ja“, gibt Sam zu. „Aber mittlerweile bin ich über sie hinweg, glaube ich.“

„Hattest du danach jemals wieder eine Beziehung?“

„Nein, nur ein paar Flirts. Ich habe mich einfach nicht getraut, mich wieder zu binden.“

Das konnte ich nachvollziehen. „Du hattest Angst, wieder enttäuscht zu werden?“

„Richtig. Mein Herz würde es nicht aushalten, nochmals verletzt zu werden.“

„Ich verstehe“, sage ich. „Aber wenn sich jemand in dich verlieben würde und diese Person es ganz ernst mit dir meinen würde, würdest du ihr noch eine Chance geben?“

„Ich weiß nicht“, sagt Sam. „Kommt darauf an, was ich für die Person empfinde.“

Ich schlucke. Wie deutlich müssen meine Zeichen noch werden, damit Sam erkennt, was ich für sie fühle? Ist sie völlig blind oder verschließt sie einfach vor der Wahrheit die Augen? Ist es ein Schutzmechanismus? Ich verstehe, dass sie nach dieser Geschichte mit Elena erst einmal genug von Beziehungen hat.

„Wie lange ist das mit Elena schon her?“, hake ich weiter nach.

„Drei Jahre“, antwortet Sam.

„Das ist eine lange Zeit.“

„Ja, da hast du recht. Vielleicht sollte ich mich langsam wieder für die Liebe öffnen. Aber momentan bin ich da in einer ungünstigen Lage. Ich glaube, ich bin die einzige Lesbe an unserem Internat. Zumindest hat sich sonst noch niemand geoutet.“

„Vielleicht gibt es ja ein Mädchen, das insgeheim auf Frauen steht, aber sich bisher noch nicht getraut hat, öffnetlich dazu zu stehen?“ Wie sehr soll ich noch mit dem Zaunpfahl winken?

„Ja, vielleicht“, sagt Sam knapp.

Der Sonntag verläuft recht unspektakulär. Wir verbringen den Vormittag mit Lernen und nachmittags gehen Sam und ich in die Eisdiele ins Dorf, denn es ist ein ziemlich heißer Tag und wir lechzen nach ein wenig Abkühlung. Ich lade Sam auf das Eis ein, um mich für das Getränk auf der Sommerparty zu revanchieren. Sie will es erst nicht annehmen, doch ich leiste gute Überzeugungsarbeit und als ich bemerke, dass ich beleidigt sei, wenn sie meine Einladung nicht annähme, stimmt sie schließlich zu.

„Was ist denn das Gelbe?“, fragt Sam und deutet mit den Löffel auf meinen Fruchtbecher.

„Ich glaube, Mango“, antworte ich. „Willst du mal probieren?“

„Gerne.“ Sie taucht ihren Löffel in mein Eis und kostet. „Mhmm, schmeckt lecker! Sehr fruchtig.“

„Ja, an so heißen Tagen mag ich lieber Fruchteis als Schokolade oder sowas“, bemerke ich.

„Das kann ich verstehen. Aber ich nehme hier grundsätzlich einen Bananensplit, das ist schon Tradition.“

Sie lächelt und mir wird ganz warm dabei. Ich möchte sie am liebsten berühren, ihre zarte Haut spüren. Aber ich traue mich nicht.

„Alles klar bei dir?“, fragt Sam und beobachtet mich. „Du guckst so komisch. Hab ich irgendwas im Gesicht?“

„Nein!“ Ich muss lachen. „Es ist nichts mit deinem Gesicht. Mal abgesehen davon, dass es perfekt ist.“ Ups, wo kommt das denn jetzt her? Ich beiße mir auf die Unterlippe.

Doch Sam lacht nur. „Ich glaube, mein Gesicht ist weit entfernt von perfekt“, sagt sie und schiebt sich einen Löffel Eis in den Mund. Sie tut das so genüsslich, dass ich nicht anders kann, als sie anzustarren.

Wenn du dich da nicht mal täuschst, denke ich und widme mich wieder meinem Fruchtbecher, der mein heißes Gemüt zum Glück ein wenig abkühlt.

Den Sonntagabend verbringen wir wieder mit einer DVD. Diesmal schauen auch May und Lis mit, auch wenn letztere noch immer nicht mit mir redet. Es ist zumindest mal ein kleiner Schritt in Richtung Versöhnung. Nach dem Film gehen wir schlafen, denn wir sind hundemüde und May ist kurz vor Ende bereits eingedöst.

Als wir am nächsten Morgen in die Klasse kommen, erwartet uns eine böse Überraschung. Ich bemerke es zunächst nicht, wundere mich nur, warum alle anfangen zu kichern, als wir den Raum betreten. Erst als ich an meinen Platz komme, entdecke ich die Bescherung. Irgendjemand hat an die Tafel ganz groß „Dany liebt Sam“ geschrieben und ein Herz darum gemalt. Sam wird stinksauer, als sie die Kritzelei sieht und stellt sofort Sven zur Rede. „Warst du das?“

Sven lacht nur und schüttelt den Kopf.

„Tu doch nicht so, ich weiß, das du’s warst. Das ist nicht fair.“

Ich setze mich mit hochrotem Kopf neben Uli, der schon da ist.

„Morgen“, sagt er und sieht mich mitleidig an. „Ich weiß nicht, wer das war. Aber könnte natürlich Sven gewesen sein.“

„Ist schon gut“, sage ich und lasse mich neben ihm nieder.

Sam wischt derweil die Kritzelei von der Tafel. Dabei macht sie ein Gesicht, als wäre die Welt untergegangen. Ich kann ihre Reaktion verstehen. Trotzdem frage ich mich, ob denn der Gedanke, mit mir zusammen zu sein, so schlimm für sie ist. Natürlich fand ich die Sache auch nicht in Ordnung und wer immer es war, gehört dafür geohrfeigt. Aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass es Sam ganz und gar nicht passt, dass jemand uns eine Affäre andichtet. Und das verletzt mich. Es verletzt mich so sehr, dass ich mit den Tränen kämpfe, als Frau Pätzold den Raum betritt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s