#WritingFriday #15 | Das Buch der Wahrheit

Huhu ihr Lieben!

Heute gibt es wieder einen Post zum #WritingFriday von Elizzy von Read Books And Fall In Love. Sie gibt uns jeden Monat neue Schreibthmen an die Hand von denen wir freitags eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Das sind die Schreibthemen für Juni:

writing friday

Mein Thema heute: Du findest auf der Straße ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.

Das Buch der Wahrheit

„Hey du!“
Fragend sehe ich mich um, kann aber niemanden entdecken, der gerade gesprochen hat.
„Du, mit dem schwarzen T-Shirt.“
Verwirrt drehe ich mich him Kreis, doch nirgends ist eine Menschenseele zu sehen. „Wer spricht da?“
„Na, ich!“
Mein Blick fällt auf einen brauen Gegenstand, der im Gras liegt. Ich gehe darauf zu und beuge mich hinunter. Es ist ein Buch, verdreckt und zerfetzt. Ich zögere einen Moment, dann hebe ich es auf.
„Na, endlich. Ich dachte schon, du findest mich nie.“
„Ein Buch, das spricht?!“ Ich verstehe die Welt nicht mehr.
„Ja, soll’s geben.“ Das Buch ist offensichtlich schlecht gelaunt.
„Tut mir leid, aber ich habe noch nie ein Buch, das …“
„Ja, ja, das sagen sie alle“, brummt das Buch und macht einen Laut, der sich wie ein entnervtes Stöhnen anhört.
„Verstehe.“ Nein, ich verstehe überhaupt nichts mehr.
„Nimmst du mich mit? Ich brauche dringend eine Reparatur. Mein Buchrücken löst sich und der Umschlag hat Löcher.“
„Ich weiß nicht, wie man Bücher repariert.“
„Dann googel es. So schwer kann das doch nicht sein.“
„Gut, ich werde mein Bestes geben.“
„Komme ich dann in dein Regal? Zu deinen anderen Büchern?“
„Ja, sicher.“ Ich besehe mir das Buch genauer. Auf seinem Umschlag steht in goldenen Buchstaben Das Buch der Wahrheit. Neugierig blättere ich vorsichtig die ersten Seiten durch. Sie sind dicht in einer altdeutschen Frakturschrift beschrieben und mit Illustrationen verziert.
„Was bist du für ein Buch?“, frage ich das Buch und schlage es wieder zu.
„Das steht doch auf meinem Umschlag.“
„Ja, sicher. Aber was hat das zu bedeuten – Das Buch der Wahrheit?“
„Du kannst mir jede beliebige Frage stellen, ich werde sie dir immer wahrheitsgemäß beantworten.“
„Wirklich?“, frage ich überrascht. „Egal, was ich wissen möchte?“
„Ganz egal“, bestätigt das Buch.
„Dann will ich gerne wissen, ob … Sebastian mich auch so sehr liebt wie ich ihn.“ Ich werde rot, als ich die Frage stelle.
Doch das ist dem Buch egal. Es macht ein grunzendes Geräusch, dann sagt es: „Such dir einen anderen. Dieser Sebastian ist nicht gut für dich.“
„Nicht?“, rufe ich bestürzt. Für Sebastian hege ich schon seit Jahren heimlich Gefühle und eigentlich hatte ich besonders in letzter Zeit den Eindruck gehabt, dass er mich auch mag. So ein bisschen zumindest.
„Er will nur das Eine“, sagt das Buch und grunzt wieder.
„Oh, das ist aber nicht schön.“
„Du wolltest die Wahrheit wissen.“
„Ja, sicher“, beeile ich mich zu sagen. „Aber ich habe gehofft, dass sie etwas positiver für mich ausfällt.“
„Die Wahrheit ist ungeschönt. Viele Leute wollen die Wahrheit nicht hören, deshalb hat mein letzter Besitzer mich auch weggeworfen.“
„Das ist aber unfair.“
„Wirst du mich nicht wegwerfen?“
„Nein, natürlich nicht“, sage ich und streiche dem Buch über das Cover. Es macht ein Geräusch, das klingt wie ein Schnurren.
„Na los“, fordert es mich schließlich auf. „Frag mich noch etwas.“
„Hmm …“ Ich überlege. Dann fällt mir eine weitere Frage ein: „Werde ich jemals eine erfolgreiche Schriftstellerin?“
Dem Buch entweicht ein Kichern. „Schriftstellerin?“, ruft es. „Du?“
„Ja, ich!“ Ich klinge trotzig und fast ein bisschen beleidigt.
„Du bist doch viel zu feige, um es jemals zu etwas zu bringen.“
„Was soll das den heißen?“, frage ich entrüstet.
„Dass du dir nichts zutraust. So wird nie eine ordentliche Autorin aus dir.“
„Aber das ist mein größter Traum …“
„Dafür tust du aber entsetzlich wenig.“ Das Buch kichert wieder. „Du und Schriftstellerin. Der war gut.“
„Du bist doof!“, sage ich.
„Ich sage nur die Wahrheit.“
„Das ist nicht die Wahrheit, das ist Schikane!“
„Du kannst nur die Wahrheit nicht ertragen …“
„Ich werde für meinen Traum kämpfen. Ganz egal, was du sagst.“
Ich nehme das Buch und stopfe es in den nächstgelegenen Mülleimer.
„Hey!“, schreit mir das Buch nach. „Du hast mir versprochen, mich nicht wegzuwerfen.“ Doch ich höre nicht mehr darauf und eile schnellen Schrittes davon. Das Buch kann mich mal!

Achtung!

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10 Kommentare zu “#WritingFriday #15 | Das Buch der Wahrheit

  1. Hey Emma,
    das Buch hätte ich auch weggeworfen, obwohl es durchaus spannend wäre ihm ein paar Fragen zu stellen. ;) Schöne Idee, ich musste sehr schmunzeln. Auch weil fast alle Autoren, die das Thema gewählt haben, dem Buch einen etwas garstigen Charakter gegeben haben (mich eingeschlossen).
    Grüße, Katharina.

    Gefällt 1 Person

    • Freut mich, dass dir die Idee gefallen hat. Echt? Ich muss mir die anderen Beiträge erst mal noch ansehen. Ich schreibe immer erst zu einem Thema, bevor ich mir andere Beiträge dazu durchlese, denn das würde mich zu sehr beeinflussen.
      Dann schaue ich doch gleich mal bei dir vorbei.

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Emma,
    eine tolle Idee, die du hattest. Das arme Buch – aber wenn man immer die Wahrheit sagt, braucht man ein verdammt schnelles Pferd, wie schon Reinhard Mey sang.
    Mir gefällt die Geschichte ausnehmend gut!
    Es geht mir übrigens anders wie dir – ich lasse mich äußerst gern inspirieren; die anderen Teilnehmer zünden oft regelrechte Fantasiefunken in mir! Dein Beitrag ist hier keine Ausnahme!
    LG
    Daniela

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Emma,
    dein Buch ist aber auch ganz schön frech! ;) Jedoch mag ich freche Bücher und hätte es vielleicht… nein… ich hätte es definitiv behalten. Beim Reparateur hätte ich es in Rosa neu binden lassen und damit die Frechheiten heimzuzahlen x) Sehr schön geschrieben! Liebste Grüße, Annie

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