#WritingFriday | Dezember Special

WritingFirday-Special

Im Rahmen des Dezember Specials, einem literarischen Adventskalender, von Elizzy von Read Books And Fall In Love darf ich heute eine kleine Weihnachtsgeschichte mit dir teilen, denn ich verstecke mich hinter dem 23. Türchen.

Gestern veröffentlichte Lese Welle ihre Geschichte, morgen ist Read Eat Live an der Reihe.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen meiner Geschichte und hoffe, dass sie dir gefällt.

Tuerchen23

Der Bruder des Weihnachtsmanns

Es war der 23. Dezember. Die Elfen hatten alle Hände voll zu tun, die Päckchen für die Kinder zu schnüren und im Schlitten des Weihnachtsmannes zu deponieren. Spielzeug, Kleidung, Süßigkeiten – alles war bereit und wartete nur noch darauf, ausgeliefert zu werden.

Nur der Weihnachtsmann selbst arbeitete nicht. Stattdessen lag er in seinem Bett und hatte die Augen geschlossen.

„Die Geschenke sind bereit“, verkündete der Oberelf, der gerade den Weihnachtsmann in seinem Schlafzimmer besuchte. Laut brach der Weihnachtsmann in Husten aus. Er schniefte und wischte sich die Nase mit dem Handrücken ab.

„Ei, ei, ei“, sagte der Oberelf. „So kannst du aber nicht ausrücken und die Kinder beschenken.“

Der Weihnachtsmann schnäuzte sich geräuschvoll seine knallrote Nase. „Aber ich muss! Weihnachten kann doch nicht ausfallen. Was werden die Kinder sagen, wenn sie keine Geschenke bekommen?“

„Du bist krank!“ Der Oberelf fühlte die Stirn des Weihnachtsmannes. „Und Fieber hast du auch. Du musst dich schonen.“

Verzweifelt stöhnte der Weihnachtsmann und ließ sich tief in seine Kissen sinken. Weihnachten war ernsthaft in Gefahr! Warum musste er ausgerechnet jetzt krank werden? Das war ihm in seinem ganzen Leben noch nicht passiert, und das war schon ziemlich lange.

„Wenn ich die Geschenke nicht ausliefere, wer macht es dann?“ Der Weihnachtsmann war kurz vorm Verzweifeln. Weihnachten musste stattfinden. Es wäre eine Katastrophe, wenn die Geschenke nicht rechtzeitig bei den Kindern ankämen. Womöglich würden sie dann den Glauben an ihn verlieren. Und enttäuscht wären sie auch und der Weihnachtsmann wollte auf keinen Fall enttäuschte Kinder haben. Außerdem hatten sich seine Elfen so ins Zeug gelegt. Er war es ihnen schuldig.

„Solange ich hier Oberelf bin, bleibst du im Bett und kurierst dich aus. Dann müssen die Kinder eben mal länger auf ihre Geschenke warten.“

„Kommt nicht in die Tüte!“, rief der Weihnachtsmann und hustete wieder. Dann erhellte sich seine Miene. „Oberelf“, sagte er. „Du musst unbedingt zu meinem Bruder Eugen gehen und ihn bitten, meinen Job dieses Jahr zu übernehmen.“

Der Oberelf seufzte. „Glaubst du ernsthaft, dass dein Bruder da mitmacht?“ Er kannte Eugen nur zu gut. Er war ein Faulpelz und Egoist.

„Er muss!“ Die Sache war für den Weihnachtsmann ganz klar: Entweder sein Bruder vertrat ihn, oder die Kinder würden keine Geschenke bekommen.

„Na schön.“ Der Oberelf nickte. „Ich mache mich sogleich auf den Weg.“

***

Eugen wohnte in einer Hütte mitten im Wald. Schnee lag auf dem Weg dorthin und knirschte unter den Sohlen des Oberelfs. Es war bitterkalt und er fror, obwohl er sein dickes Mäntelchen angezogen hatte. Als Eugens Hütte in Sicht kam, verlangsamte der Oberelf seine Schritte. Er hoffte insgeheim, dass Eugen nicht da war, doch durch den Kamin stieg Rauch auf und in der Hütte brannte Licht. Der Oberelf näherte sich der Tür und klopfte. Poch, poch, poch! Zunächst blieb alles ruhig. Der Oberelf klopfte noch einmal. Poch, poch, poch! Wieder rührte sich nichts. Er war bereits im Begriff umzudrehen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu gehen, als die Tür sich einen Spalt breit öffnete und Eugen seinen Kopf hindurchzwängte.

„Wer stört?“, brummte er und sah den kleinen Oberelf grimmig an.

„Ich komme im Auftrag Ihres Bruders.“ Der Oberelf verbeugte sich kurz. „Darf ich hereinkommen?“

„Muss das sein? Ich habe mir gerade ein Süppchen gekocht und …“

„Es ist wichtig!“

„Was kann den wichtiger sein, als eine gute Mahlzeit? Ich habe gerade wirklich keine Zeit …“

„Es ist wirklich wichtig!“

Eugen seufzte. „Na, meinetwegen.“ Er trat einen Schritt beiseite und öffnete die Tür ganz, sodass der Oberelf hineinschlüpfen konnte. Innen war es schön warm. Es roch nach Kaminfeuer und Hühnerbrühe. In der kleinen Wohnstube stand ein winziger Weihnachtsbaum, der mit Kerzen und Äpfeln geschmückt war.

„Worum geht es?“ Eugen ließ sich in seinem Ohrensessel vor dem knisternden Feuer im Kamin nieder und betrachtete den Oberelf, der auf dem Sofa gegenüber Platz nahm.

„Ihr Bruder ist leider krank geworden, dabei ist Weihnachten und wir müssen unbedingt die Geschenke ausliefern. Die Kinder warten doch darauf. Der Weihnachtsmann schlug daher vor, dass Sie ihn vertreten könnten.“ Der Oberelf hielt die Luft an und betrachtete Eugen, der die Augenbrauen zusammenzog und schnaubte.
„Ich soll Weihnachtsmann spielen? Sonst noch Wünsche?“

„Bitte“, flehte der kleine Oberelf. „Tun Sie es für die Kinder.“

„Die Bälger sind mir egal“, brummte Eugen. „Sie sind laut und nervig. Es tut ihnen ganz gut, wenn sie mal keine Geschenke bekommen.“

Der Oberelf merkte, dass er so bei Eugen nicht weiter kam. Er ließ die Schultern hängen und schüttelte traurig den Kopf. „Die armen Kinder“, sagte er. „Sie haben sich so gefreut und jetzt werden sie bitter enttäuscht.“ Dann kam ihm eine Idee. „Schade auch um die vielen Goldtaler, die jetzt liegen bleiben.“

Eugen wurde hellhörig. „Was für Goldtaler?“

„Na, die, die der Weihnachtsmann jedes Jahr für seine Dienste bekommt.“

Eugens Augen wuchsen und er fuhr sich mit der Hand durch seinen weißen Rauschebart. „Na, wenn das so ist.“ Er stand auf. „Dann werde ich meinen Bruder natürlich gerne vertreten.“

Der Oberelf kicherte in sich hinein. Obwohl er noch nicht wusste, wie er die Sache dem Weihnachtsmann erklären sollte, war er erst einmal happy darüber, dass Eugen der Sache zugestimmt hatte.

***

„Du hast was?!“ Der Weihnachtsmann war außer sich, als der Oberelf ihm von seinem Besuch bei Eugen erzählte. „Wo sollen wir denn so viel Gold herbekommen?“

Der Oberelf hob die Hände. „Beruhige dich!“, sagte er. „Ich weiß schon, wie wir Eugen bezahlen können.“ Dann rückte er an den Weihnachtsmann heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Auf dem Gesicht des Weihnachtsmannes erschien ein Grinsen, das immer breiter wurde und schließlich in einem herzlichen Lachen endete.

„Du kleiner, gerissener Elf“, gluckste der Weihnachtsmann. „Das hast du ja schön eingefädelt.“

***

„Wo bleibt der Kerl denn?“ Der Oberelf sah auf seine kleine goldene Armbanduhr. Es war in Deutschland bereits siebzehn Uhr und es wurde Zeit, dass Eugen auftauchte. Ungeduldig trippelte der Oberelf im Schnee auf und ab und sah sich nach dem Bruder des Weihnachtsmanns um. Die Rentiere wurden schon ganz unruhig und der Oberelf bekam es mit der Angst zu tun. Was, wenn Eugen es sich doch noch einmal anders überlegt hatte?

„Ach, hier bist du!“

Der Oberelf drehte sich auf dem Absatz um. „Eugen! Da sind Sie ja!“

„Euer Weihnachtsdorf ist ja riesig. Da verläuft man sich ruckzuck.“

„Komm schnell, Sie müssen sich noch umziehen.“ Der Oberelf begleitete Eugen in die Garderobe des Weihnachtsmanns. Dort hingen bereits der rote Mantel und die Mütze und ein Paar schwarze Stiefel standen unter der Heizung.

Der Oberelf ließ Eugen einen Moment allein, damit er sich umziehen konnte. Währenddessen versuchte er, die aufgeregten Rentiere zu beruhigen.

„Was ist, wenn er grob mit uns ist?“, fragte Rudolph gerade, als Eugen aus der Garderobe kam. Er sah dem Weihnachtsmann zum Verwechseln ähnlich.

Der Oberelf strahlte. „Sie sind perfekt“, sagte er und half dem Alten in den Schlitten. „Viel Spaß!“

Eugen rollte mit den Augen. „Ich bin froh, wenn’s vorüber ist.“ Dann zog er an den Zügeln und huiiii ging es los.

Der Oberelf sah ihm nach, bis der Schlitten schließlich in einer Wolke verschwand und das Läuten der Schellen nicht mehr zu hören war.

***

„Ich hoffe, Eugen kriegt das hin.“ Der Weihnachtsmann nieste und gab ein lautes Ächzen von sich.

„Bestimmt“, sagte der Oberelf und tätschelte ihm beruhigend den Arm. „Eugen ist die Sache sehr ernst. Ich denke, er wird das schon schaffen.“

„Na, hoffentlich.“ Der Weihnachtsmann nieste erneut. Dann ließ er sich tief in sein Kopfkissen sinken und schloss die Augen. „Ich will ein bisschen schlafen“, sagte er zum Oberelf.

Der verstand und erhob sich.

„Weck mich, wenn Eugen zurück ist, ja?“

„Versprochen.“

Der Oberelf entfernte sich vom Bett des Weihnachtsmanns und schloss leise die Tür hinter sich.

„Wie geht es ihm?“

Der Oberelf wandte sich um. Vor ihm standen zwei kleine Elfen mit sorgenerfüllten Gesichtern.

„Es hat ihn richtig erwischt. Aber er schläft jetzt. Wenn wir Glück haben, ist er bis morgen wieder gesund und kann die Kinder in Amerika beglücken.“

Die Elfen nickten.

„Und jetzt kommt mit, wir müssen die Geschenke für die Amerikaner verpacken.“

***

Es dämmerte bereits, als der Oberelf die Schellen des Schlittens vernahm. Aufgeregt huschte er hinaus und empfing Eugen mit aufmerksamem Blick. In seinem Bauch grummelte es. Wie es wohl gelaufen war?

Als der Schlitten gelandet war, stieg Eugen aus. Er strahlte über das ganze Gesicht.

„Na, wie war‘s?“, fragte der Oberelf, als er ihm aus dem Schlitten half.

„Es war fantastisch. Ihr hättet die leuchtenden Kinderaugen sehen müssen. Ich hatte ja nie viel von Kindern gehalten, aber jetzt – es hat mich völlig umgehauen. Kinder sind etwas Wunderbares und ich bin so glücklich, dass ich ihnen einen Freude machen konnte.“

Wer hätte das gedacht, dachte der Oberelf, dass der alte Eugen doch ein warmes Herz hat.

Doch dann wurde dieser plötzlich ernst. „Was ist mit meinen Goldtalern?“, fragte er. „Kann ich die jetzt haben?“

„Aber natürlich“, sagte der Oberelf und reichte ihm einen Sack, der mindestens fünf Kilo wog. Eugen sah in den Sack hinein und was er erblickte, konnte er kaum glauben.

„Schokoladengoldtaler?“, fragte er verdutzt.

„Ja, was haben Sie denn erwartet?“ Der Oberelf grinste schelmisch.

Da brach Eugen in schallendes Gelächter aus. „Du Schlingel“, gluckste er. „Du kannst froh sein, dass mir die Arbeit als Weihnachtsmann Spaß gemacht hat. Sonst hättest du jetzt dein blaues Wunder erlebt.“


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13 Kommentare

  1. Hallo Liebes, eine so tolle Geschichte hast du da gezaubert! Der arme Weihnachtsmann aber zum Glück ist ja Eugen da und rettet Weihnachten damit :D ich finde die Idee grossartig! <3

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Emma,
    eine sehr schöne Geschichte. Das der Weihnachtsmann krank werden könnte. :)
    Aber das sein Bruder dann das Fest rettet finde ich wirklich gut. Und die Sache mit den Goldtalern hat mir besonders gefallen. :D
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Diana,

      vielen Dank, freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Ja, das mit den Goldtalern ist mir ganz spontan eingefallen. :D Das musste ich dann einfach einbauen.

      Liebste Grüße und frohe Weihnachten!
      Emma

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Katharina,

      danke schöööön! :) Freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Das mit den Schokotalern war eine spontane Idee, die ich einfach einbauen musste. :D

      Fred? Oh – na, ich finde Eugen passt viel besser. :D

      Liebste Grüße und frohe Weihnachten!
      Emma

      Gefällt 1 Person

  3. Hallo Emma,

    deine Idee gefällt mir gut, vor allem die überraschende Auflösung mit den Schokotalern in der Goldhülle – haut einen um und ist zugleich warmherzig!

    Liebe Grüße und noch schöne weitere Weihnachtstage
    Norbert

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Norbert,

      vielen Dank, freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Ja, das mit den Schokotalern war so eine spontane Idee, die mich nicht mehr losgelassen hat. Ich musste sei einfach nutzen. :D

      Dir auch frohe Weihnachten!
      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

  4. Hallo Emma,
    ein bißchen verspätet (ähem) muss ich doch noch mal eben was schreiben – eine schöne Geschichte! Am besten gefallen haben mir nicht die Goldtaler, sondern dass Eugen ein kleines, geschmücktes Bäumchen in seiner Hütte stehen hat – das lässt doch tief blicken! SO fies kann er dann nicht sein! :)
    Liebe Neujahrsgrüße von Tanja

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Tanja,

      vielen lieben Dank. Freut mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Ja, da hast du wohl recht. Er ist zwar ein bisschen grummelig, aber er hat ein Herz aus Gold.

      Dir ein gutes neues Jahr.

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

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