Der Brief | #WritingFriday KW21/2019

Hallöchen,

schön, dass du wieder bei mir vorbeischaust. Auch diesen Freitag möchte ich wieder mit einem Beitrag zum #WritingFriday der lieben Elizzy von read books and fall in love begehen.

Beim #WritingFriday dürfen wir uns jeden Freitag ein Schreibthema auswählen, das uns Elizzy an die Hand gegeben hat und darüber schreiben. Jeden Monat gibt es neue Themen.

Die Themen für Mai:

writingfriday2019_header-1100x633


Mein heutiges Thema: Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Der Brief

„So, nun noch Ihre Unterschrift und das Häuschen gehört Ihnen.“ Der Notar zeigte auf die Linie unter dem Kaufvertrag und ich setzte meinen Namen darauf. Ein Kribbeln machte sich in meinen Körper breit und ich konnte es kaum erwarten, endlich in mein neues Haus einzuziehen. Doch vorher musste noch viel daran gearbeitet werden. Es war ein altes Fachwerkhaus und es benötigte dringend eine Renovierung.

Wenig später fuhr ich zu meiner neuen Immobilie. Mein Bruder Günni wartete bereits aufgeregt auf mich.
„Da bist du ja endlich, Margret. Ich dachte schon, der Notar hat dich gefressen.“ Günni lachte über seinen Witz und ich zückte die Schlüssel. Wir betraten das alte Gebäude und sahen uns um. Die alten Möbel mussten auf jeden Fall noch raus, die waren zu nichts mehr zu gebrauchen. Außerdem mussten die Wände frisch tapeziert und der Fußboden gereinigt werden. Wir gingen von Raum zu Raum, um uns Notizen zu machen, was alles zu tun war.

Schließlich gelangten wir auf dem Dachboden an. Hier stand noch massenhaft altes Gerümpel. Der ehemalige Besitzer hatte wohl sehr gerne altes Zeug gesammelt. Neben Ordnern mit uralten Rechnungen, Stapeln von Büchern und Zeitschriften, die heute wohl gar nicht mehr erhältlich waren und etlichen Fotoalben mit Schwarzweißbildern, fanden wir auch eine verstaubte Schreibmaschine.

„Schau mal“, sagte Günni. „Da ist noch ein beschriebenes Blatt drin.“ Er zog es heraus und reichte es mir. Als ich es las, sank mir das Herz in die Hose.

Liebe Brigitte,

ich weiß, diesen Brief hast du nicht erwartet und glaube mir, es ist mir wahnsinnig schwer gefallen, ihn zu schreiben. Vermutlich werde ich es nicht fertig bringen, ihn abzuschicken. Trotzdem möchte ich meine Gedanken niederschreiben, weil sie endlich aus meinem Kopf heraus sollen.

Apropos Kopf, den hast du mir völlig verdreht. Ich weiß nicht, wie das geschehen ist, denn ich habe für eine Frau noch nie so etwas gefühlt. Normalerweise liebe ich nur Männer, so wie meinen Gatten Werner, doch du bist eine Ausnahme. 

Ich weiß, dieser Brief wird vermutlich unsere Freundschaft zerstören, was mir auch furchtbar wehtut, denn wann werde ich wieder eine Freundin wie dich finden? Aber ich muss es endlich loswerden: Ich habe mich in dich verliebt. Mein Herz schlägt nur noch für dich und du bist der letzte Gedanke, den ich hege, wenn ich abends zu Bett gehe und der erste, wenn ich morgens erwache. 

Ich bin völlig durcheinander, weil ich nicht weiß, wie das passieren konnte. Aber wenn du mich umarmst, dann steht mein Herz für einen Moment still und wenn du mich berührst, durchzuckte es mich, als würde elektrischer Strom durch meine Adern fließen.

Wie gesagt, vermutlich wirst du den Brief nie erhalten. Denn so verliebt ich auch bin, so feige bin ich auch.

Alles Liebe,

deine Marianne

„Ach wie süüüß!“, entfuhr es mir und ich wischte mir eine Träne aus dem Augenwinkel.

„Ja, voll süß.“ Günni grinste. „So wie es aussieht, hat Brigitte den Brief wirklich nie erhalten.“

„Dann wird es Zeit.“ Ich faltete das Papier zusammen und steckte es in meine Jackentasche. Sollte Brigitte noch leben, dann würde ich sie finden, das nahm ich mir ganz fest vor.


Ähnliche Beiträge

Achtung!

Beim Kommentieren dieses Beitrags werden Daten (z. B. Name, E-Mail, Website, IP-Adresse) erhoben und gespeichert. Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

 

Werbeanzeigen

6 Kommentare

  1. Liebe Emma, danke für diese schöne Geschichte. ♥
    Das erinnert mich an eine Szene aus “Queer as Folk“, wo Lindsay, einer der Hauptcharaktere, herausgefunden hat, dass ihre Großmutter lesbisch gewesen ist, wie Lindsay selbst.
    Du hast mir echt den Tag versüßt. 😁
    Ich hab heute mein Handy sprechen lassen, schau doch mal vorbei. :)
    LG, Lina

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Lina,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat.

      „Queer as Folk“ sagt mir gar nichts – muss ich mich gleich mal drüber schlau machen. Das klingt nach etwas, das mir gefallen könnte.

      Liebste Grüße und ein schönes Wochenende
      Emma

      Gefällt 1 Person

      • Liebe Emma, ja, ich dachte, ich gebe dir mal einen dezenten Hinweis zu einer meiner Lieblingsserien – angesichts der Storys, die du selbst schreibst. Die hab ich bis jetzt leider nur überflogen, aber wenn ich Zeit habe, werde ich sie ganz sicher in vollen Zügen genießen zu lesen! :D
        Dir auch ein schönes Wochenende. :)
        LG, Lina

        Gefällt 1 Person

  2. Schöne Idee. Es ist zwar tragisch, wenn Leute es nicht mehr zu ihren Lebzeiten schaffen, ihr wahren Gefühle mitzuteilen, aber für die, die zurückbleiben, ist es dann tröstlich.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.