„Freche Mädchen küssen besser“ | 18. Kapitel

Huhu,

es ist mal wieder soweit: Ein neues Kapitel meines Blogromans „Freche Mädchen küssen Emma Escamillabesser“ geht online. Ich habe fleißig weitergeschrieben und freue mich, sie jetzt mit dir teilen zu können. Über Feedback würde ich mich sehr freuen.

Du findest die Geschichte auch auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de unter dem Namen „Emma Escamilla“.

Heute nimmt Dany all ihren Mut zusammen und outet sich vor ihren Eltern – was zunächst nicht so läuft wie geplant. Aber lies selbst. Viel Spaß dabei!

18. Kapitel: Eine unerwartete Wendung

„Für Samantha?“ Mein Vater schaut mich fragend an. Ich erkenne Verwirrung in seinem Blick. Dann fällt bei ihm der Groschen. „Samantha!“, sagt er tonlos und seine Hand zittert, als er sich eine Haarsträhne aus der Stirn streicht.

„Ja, Samantha. Samantha Johnson, um genau zu sein. Wir wohnen in einem Zimmer und …“

„Das ist doch nicht dein Ernst, oder? Du meinst, diese Samantha ist deine Freundin, nicht deine Partnerin, oder?“

Mein Herz hämmert mir in den Ohren und ich wische meine Handflächen an der Jeans ab. „Doch, sie ist meine Partnerin. Ich bin lesbisch. Oder zumindest bisexuell.“

„Bisexuell“, sagt mein Vater und ich bin mir nicht sicher, ob das eine Frage oder eine Feststellung sein soll. Aus seinem Mund klingt es wie etwas Verwerfliches.

„Ja, bisexuell. Ist das ein Problem für dich?“

Er schluckt, dann schüttelt er den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Das heißt … du warst doch sonst immer in Jungs verliebt. Das ist doch bestimmt bloß eine Phase, oder? Das geht wieder vorbei.“

„Nein, Paps, das ist keine Phase. Ich bin wirklich bisexuell. Ich mag Jungs und Mädels. Für mich ist die Person wichtig, nicht das Geschlecht.“

„Das kann doch unmöglich dein Ernst sein!“

„Doch, es ist mein voller Ernst. Ich dachte, du würdest es verstehen.“ Eiskalte Enttäuschung macht sich in mir breit und ich sehe meinen Vater vorwurfsvoll an. Er sagt nichts mehr, setzt aber seinen Weg fort. Stumm gehen wir nebeneinander her und ich grüble verzweifelt, wie ich jetzt weiter verfahren soll. Er ist doch nur ein bisschen verwirrt und nicht homophob, oder? Mein Vater ist doch eigentlich ein recht offener Mensch. Wie wird Sabine reagieren, wenn er es ihr erzählt? Eigentlich ist mir das egal, wenn Sabine mir auch noch in den Rücken fallen würde. In zwei Wochen bin ich hier sowieso wieder weg.

Mein Vater keucht neben mir. Der Aufstieg scheint ihm schwerer zu fallen, als er erwartet hat.

„Wir haben es gleich geschafft“, sage ich, denn die Ruine ist bereits zu erkennen. Papa nickt und wischt sich abermals den Schweiß von der Stirn. Wir schweigen uns weiter an, bis wir die Ruine betreten. Erinnerungen aus meiner Kindheit kommen hoch, Erinnerungen an Ausflüge hierher mit ihm und meiner Mutter. Oh, wie sehr ich sie vermisse! Sie war immer gut drauf und hat mich selbst aus den dunkelsten Löchern holen können. Sie hätte mich bestimmt verstanden, da bin ich mir sicher. Papa schnauft schwer und lässt sich auf eine Sitzbank fallen. Ich nehme neben ihm platz und strecke meine Beine aus. Mein T-Shirt klebt mir am Körper und ich atme ebenso tief ein und aus, wenn auch nicht so keuchend wie er.

„Vielleicht hatte Sabine unrecht“, sagte er plötzlich und kratzt sich am stoppeligen Kinn.

„Womit?“ Ich sehe ihn fragend an.

„Mit dem Internat“, fährt er fort. „Vielleicht war es doch keine so gute Idee, dich dorthin zu schicken.“

Ich traue meinen Ohren nicht. Was soll das denn jetzt? „Wie meinst du das?“

„Na, anscheinend hat dir diese Samantha den Kopf verdreht. Das wäre nicht passiert, wenn du weiterhin auf deine vorherige Schule gegangen wärst.“

„Willst du damit sagen, es ist Sams Schuld, dass ich bisexuell bin?“

„Ja, natürlich. Sie hat dich verführt. Von allein wärst du doch da niemals draufgekommen.“

Ich presse die Lippen aufeinander und verschränke die Arme vor der Brust. „Warum bist du eigentlich so homophob?“

„Ich? Homophob?“ Er hebt die Stimme und schaut mich überrascht an, als hätte ich irgendetwas völlig Unpassendes von mir gegeben. Aber es stimmt doch: Er benimmt sich wie ein homophobes Arschloch. Sam hat mich nicht verführt, ich habe mich einfach so in sie verliebt. Aus freien Stücken. Und wenn ich nicht aufs Internat gegangen wäre, dann wäre mir das irgendwann mit einem anderen Mädchen passiert. Meine Bisexualität ist eine Veranlagung und nicht irgendjemandes Schuld, so als könnte ich mir das abgewöhnen.

„Ich bin nicht homophob“, sagt er entrüstet und zieht die Augenbrauen zusammen. „Ich habe weder etwas gegen Schwule, noch gegen Lesben.“

„Solange es nicht deine eigene Tochter ist, nicht wahr?“, fauche ich. Er regt mich auf mit seinem dummen Gelaber.

Darauf sagt er erst einmal nichts mehr. Nach einer Weile nimmt er meine Hand und streicht mit dem Daumen darüber. „Dany“, sagt er. „Ich will doch nur dein Bestes. Ich weiß, du bist jetzt in diese Samantha verknallt, aber da draußen gibt es so viele schöne Männer und eines Tages wird dir der Richtige begegnen.“

„Ich will aber keinen Mann, ich will nur Sam.“

„Stell dir doch mal vor, wie es wird, wenn wir das Opa und Oma erzählen. Die bekommen ja einen Herzinfarkt! Dany, ich bin nicht homophob und ich habe auch nichts gegen deine Freundin, nur denk doch an all die Unannehmlichkeiten, die dadurch entstehen. Du könntest gemobbt und ausgegrenzt werden und das möchte ich nicht.“

„Dafür ist es schon zu spät.“

Er sieht mich erschrocken an. „Wie meinst du das?“

„Im Internat mussten Sam und ich uns schon sämtliche blöde Sprüche anhören. Aber das ist okay, solange wir uns haben. Das Gute überwiegt die Nachteile, verstehst du?“

Er schluckt. „Bist du dir sicher? Willst du das wirklich auf Dauer?“

„Aber natürlich bin ich mir sicher. Sam macht mich glücklich.“

„Ich werde mit Sabine drüber reden.“

Ich schnaube. „Tu, was du nicht lassen kannst. Aber wenn sie deswegen ausflippt, halte sie mir bitte vom Hals.“

Er sieht traurig aus, als er nickt und nichts mehr darauf erwidert. Vermutlich fällt ihm dazu nichts mehr ein.

Wir reden den ganzen Tag nicht mehr darüber. Papa lädt mich zum krönenden Abschluss des Ausflugs in eine Pizzeria ein. Ich bestelle Pizza Quattro Stagioni und er isst eine Pizza Diavolo, die so scharf ist, dass er ein ganz rotes Gesicht bekommt. Ich ziehe ihn damit auf und wir haben eine Menge Spaß. Nichts erinnert mehr an unser ernstes Gespräch am Vormittag und er wirkt gelöst und glücklich, genauso wie auch ich mich fühle. Doch tief in mir drin fehlt mir Sam und ich muss zugeben, dass es mir nicht wirklich egal ist, wie Sabine auf mein Coming-out reagiert. Ich versuche, nicht daran zu denken und die Zeit mit Papa zu genießen. Wer weiß schon, wann ich je wieder Gelegenheit für einen reinen Vater-Tochter-Tag bekomme?

Gegen siebzehn Uhr kommen wir völlig erschöpft nach Hause. Sabine sitzt auf der Couch und liest ein Buch. Als wir das Wohnzimmer betreten, sieht sie auf und legt es weg.

„Na, wie war‘s?“

Ich weiß nicht, ob sie immer noch sauer ist, aber sie lächelt zumindest. „Schön“, sage ich knapp und mache mich auf den Weg in mein Zimmer. Dort angekommen zücke ich mein Handy und schicke eine Nachricht an Sam: „Ich hab‘s getan!“

Sofort kommt eine Antwort: „Oh mein Gott, du hast es ihm gesagt? Und, wie hat er reagiert?“

Ich fange an zu tippen, doch dann merke ich schnell, dass die Nachricht zu lang werden würde, weshalb ich Sams Nummer wähle und sie einfach anrufe. Nach dem dritten Tuten geht Sam dran.

„Dany! Erzähl!“, ruft sie in den Hörer.

Ich seufze. „Es ist nicht so gut gelaufen, wie erhofft.“

„Was, warum denn nicht?“

„Er glaubt, dass ich unter den Unannehmlichkeiten einer lesbischen Beziehung leiden könnte. Und dass du mich verführt hast.“

Sam schnaubt. „Das hat er gesagt?“

Ich nicke, doch dann fällt mir ein, dass Sam das ja nicht sehen kann und sage: „Ja, es war ein sehr unangenehmes Gespräch.“

„Und jetzt?“

„Jetzt redet er vermutlich mit Sabine.“

„Oh je! Ich drücke dir die Daumen.“

„Danke, das kann ich brauchen.“

Sam schweigt eine Weile, dann fragt sie: „Und wie war dein Tag sonst so?“

„Schön. Ich habe einen Ausflug mit meinem Vater gemacht. Wir waren auf einer Burgruine und haben Pizza gegessen. Ich kann dir ein paar Fotos schicken, wenn du magst.“

„Von der Burgruine oder der Pizza?“

Ich muss lachen. „Von der Ruine natürlich. Und von mir, wenn du magst.“

„Au ja, das ist immer toll!“ Sam kichert und löst damit ein Kribbeln in meinem Bauch aus.

„Du fehlst mir.“

„Du mir auch.“ Sam klingt auf einmal ganz traurig.

„Wie läuft es mit Emily?“

„Wie soll es mit ihr schon laufen? Wir reden ab und zu miteinander, aber die meiste Zeit bin ich in meinem Zimmer und sie erledigt ihre Arbeit.“

„Und – da ist wirklich nichts zwischen euch?“

Sam lacht laut auf. „Spinnst du? Ganz bestimmt nicht!“

„Gut.“ Ich will gerade nochmals zum Sprechen ansetzen, als es an meine Tür klopft und Sabine ihren Kopf hereinschiebt.

„Können wir reden?“, fragt sie leise.

Ich seufze. „Sorry, Sam, aber ich muss auflegen. Wir reden später nochmal, ja?“

„Klar. Bis dann.“

Ich lege auf und schaue Sabine fragend an. „Was willst du?“

„War sie das?“, fragt Sabine und huscht in mein Zimmer. „Deine Freundin?“

Ich nicke. Ich weiß zwar nicht was Sabine das angeht, aber eigentlich ist es ja auch egal, wenn sie davon erfährt. „Dann hast du mit Paps geredet?“

Sabine bejaht. „Darf ich mich zu dir setzen?“

Ich weise mit einer einladenden Handbewegung auf mein Bett und Sabine setzt sich auf den Rand und starrt auf ihre Hände. Mein Herz schlägt schneller, was wird sie jetzt sagen? Ist sie sauer? Macht sie mir jetzt gleich eine Szene? Ich wappne mich für das Schlimmste und halte den Atem an, als sie sagt: „Das freut mich, dass du eine Freundin gefunden hast.“

Ich sehe sie verwundert an. Damit hätte ich jetzt gar nicht gerechnet. „Wie?“, frage ich. „Du weißt aber schon, dass sie meine Freundin im Sinne von Partnerschaft ist und nicht von Freundschaft, oder?“

Sabine lächelt. „Natürlich weiß ich das. Dein Vater hat mir alles erzählt. Er war ja so aufgebracht, da musste ich ihn erst einmal beruhigen.“

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. „Bist du gar nicht böse?“

„Nein! Wieso sollte ich dir böse sein?“

„Weil ich bisexuell bin.“

„Aber das ist doch vollkommen okay, dafür habe ich Verständnis.“

Ich starre Sabine fassungslos an. Sie hat Verständnis? Wirklich? Ich habe ja mit allem gerechnet, aber nicht damit. „Wenn das ein Versuch ist, dich bei mir einzuschleimen, vergiss es!“

Sabine seufzt und sieht mir in die Augen. „Nein, das ist es nicht. Ich weiß, wie schön es ist, sich in eine Frau zu verlieben. Ich war auch mal jung und vor deinem Vater hatte ich andere Beziehungen. Und eine eben mit Maggie.“


Hier kommst du zur Übersicht über alle Kapitel.

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2 Kommentare

  1. Outing ist ein schwieriges Thema. Du hast es sehr auf alle Seiten bedacht umgesetzt, das gefällt mir.
    Bei „Ist nur eine Phase“ musste ich grinsen. Ich glaube, dass ist so eine elterliche Standardannahme.
    Grüße, Katharina

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